
Angestellte haben drei eingebaute Sicherheitsnetze, die sie oft nicht bemerken: betriebliche Altersvorsorge mit Arbeitgeber-Zuschuss, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und automatische Rentenpunkte aus jedem Monatsgehalt. Selbständige müssen alles drei selbst organisieren. Dieser Beitrag zeigt, mit welchen drei Bausteinen du die fehlenden Schichten ersetzt, ohne dich finanziell zu überdehnen.
Das Wichtigste in Kürze
- Statt bAV: Rürup oder ETF-Sparplan in eigener Hand. Beides flexibel, beides mit unterschiedlicher Steuerwirkung.
- Statt Lohnfortzahlung: Krankentagegeld und ausreichender Notgroschen. Ohne diese beiden kippt jede Vorsorge bei der ersten längeren Erkrankung.
- Statt automatischer Rentenpunkte: bewusste Entscheidung zwischen GRV-Beitrag, Versorgungswerk oder rein privater Vorsorge. Je nach Berufsgruppe.
Was Selbständigen ohne Arbeitgeber fehlt
Drei Bausteine fallen weg, wenn du nicht angestellt bist.
| Baustein | Bei Angestellten | Bei Selbständigen |
|---|---|---|
| Schicht 1: gesetzliche Rente | Pflichtbeitrag aus Lohn | je nach Berufsgruppe Pflicht (KSK, Handwerk), Versorgungswerk (Ärzte, Anwälte) oder freiwillig |
| Schicht 2: bAV | Arbeitgeber zahlt mindestens 15 Prozent zu | komplett selbst zu organisieren, kein Zuschuss |
| Lohnfortzahlung | 6 Wochen voll vom Arbeitgeber, danach Krankengeld | keine, ab Tag 1 selbst zu tragen |
Wer diese drei Lücken nicht aktiv schließt, fällt im Ernstfall direkt ins finanzielle Loch. Der erste Schritt ist daher nicht „mehr Rente", sondern „diese drei Bausteine sicher ersetzen".
Hebel 1: Rürup oder ETF als Ersatz für bAV
Ohne Arbeitgeber gibt es keinen 15-Prozent-Zuschuss. Dafür hast du als Selbständige zwei eigene Hebel, die Angestellten in dieser Form nicht offenstehen.
Rürup (Basisrente) ist die steuerlich starke Variante. Beiträge bis 27.566 Euro pro Jahr (2026) sind als Sonderausgaben absetzbar. Bei mittlerem bis hohem Steuersatz wirkt das sofort: 6.000 Euro Beitrag spart rund 2.500 Euro Steuern. Die Auszahlung ist nachgelagert steuerpflichtig, aber meist zu einem niedrigeren Satz als heute.
ETF-Sparplan ist die flexible Variante. Du sparst monatlich oder nach Auftragslage, kannst jederzeit pausieren, erhöhen oder entnehmen. Keine Steuerersparnis beim Beitrag, aber dafür volle Verfügung über dein Geld. Die meisten Selbständigen fahren mit beidem zusammen am besten, weil sich die Vorteile ergänzen.
Faustregel: Rürup, soweit der Steuersatz heute deutlich über dem in der Rente liegt. Den Rest in den ETF-Sparplan. Konkrete Aufteilung im Selbständige-Leitfaden mit Reihenfolge.
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Kostenloses Erstgespräch sichernHebel 2: Krankentagegeld plus Notgroschen statt Lohnfortzahlung
Wer 6 Wochen arbeitsunfähig ist und keine Lohnfortzahlung bekommt, verliert ungefähr 1,5 Monatsumsätze. Bei 4.000 Euro durchschnittlichem Gewinn pro Monat sind das 6.000 Euro, die plötzlich nicht da sind. Die Praxis-Miete läuft trotzdem weiter.
Zwei Mechanismen ersetzen die Lohnfortzahlung.
Krankentagegeld-Versicherung greift ab einem vereinbarten Tag, meist 22, 29 oder 43. Sie zahlt einen festen Tagessatz von 50 bis 80 Prozent des Netto-Tageseinkommens. Für 30 bis 80 Euro im Monat ist die größte Liquiditätslücke gedeckt.
Notgroschen auf dem Tagesgeld puffert die Wartezeit bis zur Zahlung. 6 Monatsausgaben sind Standard, 9 bis 12 sind sicherer, wenn keine Krankentagegeld-Versicherung läuft. Mehr in Wie viel Geld vor ETF und Altersvorsorge wirklich nötig.
Wichtig: Krankentagegeld zahlt nur bei akuter Krankheit. Bei dauerhafter Berufsunfähigkeit braucht es eine separate BU-Versicherung. Mehr in BU und Altersvorsorge kombinieren: Leitfaden.
Hebel 3: Bewusste Schicht-1-Entscheidung
Je nach Berufsgruppe sieht Schicht 1 anders aus.
Pflichtversicherte Selbständige (Künstler in der KSK, Handwerker mit Handwerksrolle, selbständige Pflegekräfte, Hebammen) zahlen automatisch in die GRV und sammeln Rentenpunkte. Die Höhe der späteren Rente ist begrenzt, aber sie ist gesichert.
Freie Berufe mit eigenem Versorgungswerk (Ärzte, Anwälte, Architekten, Apotheker, Steuerberater) zahlen in die berufsständische Pflichtversorgung. Diese ist meist großzügiger als die GRV, aber an die Berufsausübung gekoppelt.
Freie Selbständige ohne Pflicht (IT-, Marketing-, Beraterberufe, Coaches) entscheiden selbst. Drei Optionen:
- freiwillige GRV-Beiträge: maximal 1.404,30 Euro pro Monat 2026, sichert Rentenpunkte
- Rürup ersetzt Schicht 1 steuerlich
- rein privat über ETF und Police, ohne Schicht 1
Faustregel: Wer Stabilität schätzt, baut zumindest einen kleinen GRV-Sockel auf (5 Beitragsjahre für Anspruch auf Reha und EM-Rente). Wer auf Rendite setzt, fährt mit Rürup plus ETF besser. Mehr in Drei Schichten der Altersvorsorge, häufige Fragen.
Stolperfallen bei Vorsorge ohne Arbeitgeber
Drei Punkte, die in meiner Beratungspraxis oft schiefgehen.
- „Mein Unternehmen ist meine Altersvorsorge." Klingt nachvollziehbar, scheitert aber oft am Verkaufspreis oder am Geschäftsmodell-Risiko. Mindestens eine zweite Säule außerhalb des Unternehmens.
- Rürup-Beitrag zu hoch in einem guten Auftragsjahr. Anpassungen nach unten sind möglich, aber bürokratisch. Lieber mit niedriger Basis starten und per Sonderzahlung aufstocken.
- Krankentagegeld vergessen. Die GKV zahlt für freiwillig versicherte Selbständige nur sehr begrenzt Krankengeld. Ohne Privat-Tagegeld klafft eine Lücke ab dem ersten Krankheitstag.
Zusammenfassung
| Was bei Angestellten automatisch läuft | Was Selbständige selbst aufsetzen |
|---|---|
| bAV mit Arbeitgeber-Zuschuss | Rürup plus ETF-Sparplan |
| Lohnfortzahlung 6 Wochen | Krankentagegeld plus Notgroschen |
| Automatische Rentenpunkte | bewusste Schicht-1-Wahl je nach Beruf |
| BU oft über Arbeitgeber-Kollektivtarif | Eigene SBU mit voller Klausel-Prüfung |
Selbständige haben mehr Freiheit bei der Vorsorge, aber auch mehr Eigenverantwortung. Die drei Bausteine sind machbar, brauchen aber eine bewusste Entscheidung am Anfang.
Zum Thema
- Selbständige und Altersvorsorge: Leitfaden mit Reihenfolge
- Selbständige Vorsorge: Typische Skepsis
- Altersvorsorge für Selbständige: Rürup und privat einordnen
- BU und Altersvorsorge kombinieren: Leitfaden
- Drei Schichten der Altersvorsorge, häufige Fragen
- Wie viel Geld vor ETF und Altersvorsorge wirklich nötig
Dieser Beitrag ist Orientierung vor einem Beratungsgespräch, keine individuelle Anlageberatung.
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Quellen und weiterführende Informationen
Vertiefende, offiziell geprüfte Informationen zu den im Beitrag genannten Punkten, kuratiert für Vorsorge nach Lebensphase:
- Deutsche Rentenversicherung – Rentenarten und Leistungen
- BMAS – Rente und Altersvorsorge
- Verbraucherzentrale – Altersvorsorge
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