
Die meisten wissen, dass die gesetzliche Rente allein nicht reichen wird. Wenige wissen, wie groß die Lücke tatsächlich ist. Dabei ist das Grundprinzip einfach: Du stellst deinem voraussichtlichen Bedarf im Alter gegenüber, was du aus der Rentenversicherung bekommst. Die Differenz ist deine Rentenlücke. Wer diese Zahl kennt, kann konkret planen statt zu hoffen. Diese Seite ist der zentrale Themenüberblick zum Cluster „Rentenplanung und Lücke schließen" und führt dich durch Berechnung, Inflation, Lebenslagen-Effekte und die richtigen Bausteine, um die Lücke zu schließen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bedarf schätzen. 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens als Faustregel, individuell anpassen.
- Rentenanspruch prüfen. Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Brutto, Nettorente ist meist 15 bis 20 Prozent niedriger.
- Lücke gleich Bedarf minus gesetzliche Nettorente. Im Schnitt 600 bis 1.000 Euro pro Monat bei mittleren Einkommen.
- Inflation einrechnen. 2 Prozent pro Jahr fressen in 30 Jahren rund 45 Prozent Kaufkraft. Real rechnen, nicht nominal.
- Bausteine. bAV, Riester, Rürup, ETF-Depot, fondsgebundene Police, Immobilien. Je nach Steuersatz und Lebenslage kombinieren.
Schritt 1: Wie viel brauchst du im Alter?
Die häufig genannte Faustregel lautet 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Dahinter steckt die Annahme, dass im Ruhestand Kosten für Fahrtweg zur Arbeit, Berufskleidung und die Altersvorsorge selbst wegfallen, dafür aber Gesundheitsausgaben steigen können.
Realistischer ist eine eigene Ausgabenliste. Trage zusammen, was du heute monatlich brauchst, und passe dann auf das voraussichtliche Rentenleben an:
| Position | Heute monatlich | Im Ruhestand erwartet |
|---|---|---|
| Wohnen (Miete oder Kreditrate) | 900 Euro | 600 Euro (Kredit getilgt) |
| Lebensmittel | 450 Euro | 450 Euro |
| Mobilität (Auto oder ÖPNV) | 350 Euro | 200 Euro |
| Versicherungen | 250 Euro | 250 Euro |
| Gesundheit (Zuzahlungen) | 50 Euro | 200 Euro |
| Freizeit, Reisen, Kultur | 300 Euro | 400 Euro |
| Geschenke, Familie | 100 Euro | 150 Euro |
| Puffer und Anschaffungen | 200 Euro | 200 Euro |
| Summe | 2.600 Euro | 2.450 Euro |
Wer das einmal aufschreibt, kommt oft auf einen Betrag, der deutlich von der Faustregel abweicht, nach oben wie nach unten. Mehr dazu im Spoke Wie viel Geld vor ETF und Altersvorsorge wirklich nötig?.
Schritt 2: Was bekommst du aus der gesetzlichen Rente?
Die Deutsche Rentenversicherung schickt dir ab 27 Jahren jährlich eine Renteninformation per Post. Darin steht eine Hochrechnung deiner voraussichtlichen Monatsrente, basierend auf bisherigen Einzahlungen und einer angenommenen Weiterarbeit bis 67. Online kannst du dein Rentenkonto unter rentenversicherung.de einsehen und aktualisieren.
Brutto und Netto sind nicht dasselbe. Die genannten Beträge sind Bruttowerte. Nach Krankenversicherungsbeitrag (rund 11 Prozent auf die Rente bei freiwillig Versicherten) und Einkommensteuer bleibt netto oft 15 bis 20 Prozent weniger übrig.
| Bruttorente | KV-Anteil | Steuer (Beispiel) | Nettorente |
|---|---|---|---|
| 1.500 Euro | minus 165 Euro | minus 105 Euro | rund 1.230 Euro |
| 2.000 Euro | minus 220 Euro | minus 180 Euro | rund 1.600 Euro |
| 2.500 Euro | minus 275 Euro | minus 280 Euro | rund 1.945 Euro |
Plane also mit dem Nettobetrag, nicht mit der Hochrechnungszahl aus der Renteninformation. Mehr dazu im Spoke Standmitteilung Altersvorsorge: Was bedeuten die Zahlen?.
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Kostenloses Erstgespräch sichernSchritt 3: Rentenlücke ausrechnen
Die Formel ist schlicht:
> Rentenlücke = Bedarf monatlich minus gesetzliche Nettorente monatlich
Beispielrechnung:
| Position | Wert |
|---|---|
| Bedarf im Alter (heutige Euro) | 2.450 Euro |
| Gesetzliche Nettorente | 1.230 Euro |
| Monatliche Rentenlücke | 1.220 Euro |
Diese Lücke musst du über mindestens 20 Jahre Rentenbezug schließen. Bei Entnahme aus eigenem Vermögen mit konservativen 4 Prozent pro Jahr:
> Benötigtes Kapital = monatliche Lücke mal 12 geteilt durch 0,04
>
> 1.220 Euro mal 12 geteilt durch 0,04 gleich 366.000 Euro
Das ist deine Zielgröße im heutigen Geldwert.
Schritt 4: Inflation einrechnen
In 30 Jahren bei 2 Prozent Inflation pro Jahr beträgt die Kaufkraft eines heutigen Euro nur noch 0,55 Euro. Aus 1.220 Euro Lücke heute werden in 30 Jahren rund 2.210 Euro Lücke nominal. Aus 366.000 Euro Zielkapital werden nominal etwa 663.000 Euro.
Wichtige Faustregel: Plane in heutigen Euro real, aber denke daran, dass deine Sparrate ebenfalls dynamisch wachsen sollte (typisch 2 Prozent pro Jahr), um die Inflation auszugleichen. Mehr dazu im Spoke Rentenplanung Inflation Kaufkraft.
Schritt 5: Bausteine zur Lückenschließung wählen
Es gibt nicht den einen Baustein, sondern eine Kombination, die zu deiner Steuersituation, deinem Anlagehorizont und deinem Liquiditätsbedarf passt:
| Baustein | Förderung oder Steuer | Flexibilität | Geeignet bei |
|---|---|---|---|
| Betriebliche AV (bAV) | 15 Prozent AG-Zuschuss, Steuer/SV-frei | mittel | jeder Angestellte |
| Riester | Zulagen plus Sonderausgaben | gering | Eltern, hohe Steuersätze |
| Rürup | Sonderausgaben bis 27.566 Euro | gering | Selbstständige, hohe Steuersätze |
| ETF-Depot | Sparerpauschbetrag, 30 Prozent Teilfreistellung | hoch | jede Lebenslage |
| Fondsgebundene Netto-Police | Halbeinkünfteverfahren | mittel | hohe Steuern im Alter, lange Laufzeit |
| Immobilien (selbstgenutzt) | mietfreies Wohnen | gering | Eigentümer mit getilgtem Kredit |
| Aktiendepot mit ausschüttenden ETFs | Sparerpauschbetrag laufend nutzbar | hoch | Aufbau über zwei Lebensphasen |
Eine sinnvolle Reihenfolge für die meisten Lebenssituationen:
- Notgroschen. 3 bis 6 Monatsausgaben.
- bAV mitnehmen, wenn Arbeitgeber zuschießt (zumindest bis 4 Prozent BBG).
- ETF-Sparplan als flexibler Hauptbaustein.
- Riester oder Rürup prüfen, wenn Förderung deutlich überwiegt.
- Fondsgebundene Netto-Police als Steueroptimierung bei langer Restlaufzeit.
Mehr dazu in den Spokes Gesetzliche Rente: Baustein bAV und privat und Riester, Rürup, private Rente: Was du schon hast erkennen.
Zweites Rechenbeispiel: Drei verschiedene Lebenslagen
Die Lücke ist je nach Lebenslage sehr unterschiedlich groß. Drei Beispiele zeigen das:
Fall 1: Angestellte, 35 Jahre alt, 3.500 Euro netto
- Gesetzliche Nettorente erwartet: rund 1.350 Euro.
- Bedarf im Alter (70 Prozent vom heutigen Netto): rund 2.450 Euro.
- Monatliche Lücke: 1.100 Euro.
- Zielkapital nach 4-Prozent-Regel: rund 330.000 Euro.
- Bei 32 Jahren Sparzeit, 5 Prozent Bruttorendite: nötige Sparrate rund 290 Euro pro Monat.
Fall 2: Selbstständiger Handwerker, 42 Jahre alt, 5.000 Euro netto
- Gesetzliche Rente meist nicht vorhanden, ggf. Versorgungswerk oder Rürup.
- Bedarf im Alter: rund 3.500 Euro.
- Monatliche Lücke ohne Rentenanspruch: 3.500 Euro.
- Zielkapital: 1.050.000 Euro.
- Bei 25 Jahren Sparzeit, 5 Prozent Bruttorendite: nötige Sparrate rund 1.700 Euro pro Monat.
- Hinweis: Rürup mit Steuerersparnis von 35 bis 42 Prozent macht die effektive Sparrate deutlich kleiner. Mehr in Altersvorsorge für Selbstständige: Rürup und privat.
Fall 3: Doppelverdiener-Paar, beide 50, gemeinsam 6.000 Euro netto
- Gesetzliche Nettorente erwartet: zusammen rund 2.700 Euro.
- Bedarf im Alter: rund 4.200 Euro.
- Monatliche Lücke: 1.500 Euro.
- Zielkapital: rund 450.000 Euro.
- Bei 17 Jahren Sparzeit, 5 Prozent Bruttorendite: nötige Sparrate rund 1.500 Euro pro Monat.
- Eine bestehende Police kann hier signifikant reduzieren. Wer Bestände hat, prüft sie zuerst, etwa nach Altersvorsorgevertrag prüfen: Der 4-Schritte-Ablauf.
Diese Spreizung zeigt: Faustregeln führen schnell in die Irre. Wer eigene Zahlen rechnet, kommt zu sehr unterschiedlichen Sparraten. Wer in der Mitte des Berufslebens steht, sollte einmal pro Jahr die Annahmen überprüfen.
Lebenslagen, die deine Lücke verändern
Die Berechnung verändert sich bei bestimmten Lebenslagen erheblich:
- Elternzeit oder Teilzeit. Lücken durch geringere Rentenanwartschaften. Mehr im Spoke Elternzeit, Teilzeit, Lücken in der Rente.
- Selbstständigkeit. Keine GRV-Pflicht (außer bestimmte Berufe), eigenständige Vorsorge nötig. Spoke: Altersvorsorge für Selbstständige: Rürup und privat.
- Scheidung. Versorgungsausgleich teilt Anwartschaften. Spoke: Versorgungsausgleich, Scheidung, Rente.
- Berufsunfähigkeit. Ohne BU bleibt nur die GRV-Erwerbsminderungsrente, die meist nicht reicht. Spokes: BU-Tarif solide erkennen und BU-Nachversicherung ohne Gesundheitsprüfung.
- bAV-Wechsel beim Jobwechsel. Spoke bAV-Jobwechsel: Mitnahme und Optionen und Betriebliche Altersvorsorge: Arbeitgeber, Kosten, Steuern.
Stolperfallen, die deine Rechnung wertlos machen
Wer eine Rentenlücken-Rechnung zum ersten Mal aufstellt, läuft typischerweise in fünf Fallen:
- Rente brutto statt netto verwendet. Zur Erinnerung: 15 bis 20 Prozent abziehen.
- Inflation komplett ignoriert. Nominal rechnen statt real ist gefährlich. 2 Prozent Inflation über 30 Jahre fressen fast die Hälfte der Kaufkraft.
- Hochrechnung mit zu hoher Rendite. 8 oder 9 Prozent Rendite sind kein Standard. Mit 5 Prozent rechnen ist konservativ und ehrlich.
- bAV als „kostenlos" angenommen. Die spätere Auszahlung ist sozialabgaben- und steuerpflichtig. Mehr in bAV-Entnahme: Fachwert und Steuer in der Auszahlphase.
- Vorhandene Verträge übersehen. Manche haben drei laufende Verträge, ohne den Gesamtbeitrag zu kennen. Eine Bestandsaufnahme spart oft den Abschluss eines weiteren Vertrags. Hilfreich Riester, Rürup, private Rente: Was du schon hast erkennen.
Best-Practice: Eine Rechnung pro Jahr, ein Termin alle drei Jahre
Eine Rentenlücken-Rechnung ist kein Einmal-Job. Lebenslagen ändern sich. Drei Routinen haben sich bewährt:
- Einmal pro Jahr eigene Zahlen aktualisieren. Renteninformation, Standmitteilung, Bedarfsschätzung. Eine Stunde am Wochenende reicht.
- Alle drei Jahre Beratung durch einen ungebundenen Berater. Was sich verändert hat, was angepasst werden sollte. Hilfreich Provision oder Honorar, wer wie bezahlt wird und Provision oder Netto-Honorar in der Altersvorsorge.
- Bei großen Lebensereignissen sofort rechnen. Heirat, Geburt, Hauskauf, Erbschaft, Berufswechsel. Jedes dieser Ereignisse kann die Lücke um mehrere hundert Euro verschieben.
Wer das diszipliniert macht, hat über die Jahre eine Datenreihe. Daraus wird sichtbar, ob die Sparquote ausreicht. Eine Excel-Tabelle oder ein Notizbuch genügt. Tools sind nützlich, aber kein Muss.
FAQ
Wie verlässlich ist die Renteninformation der DRV?
Die Hochrechnung basiert auf bisherigen Einzahlungen plus einer Annahme künftiger Beiträge. Sie ist eine Schätzung, kein Versprechen. Die tatsächliche Rente kann plus minus 15 Prozent abweichen, je nach Karriereverlauf, Inflationsanpassungen und politischen Anpassungen am Rentenniveau.
Welche Faustregel ist realistisch, 70 oder 80 Prozent vom Netto?
80 Prozent bei normalem Lebensstil ohne große Veränderungen. 70 Prozent wenn der Kredit getilgt ist und die Kinder aus dem Haus sind. Realistischer als jede Faustregel ist die individuelle Ausgabenliste aus Schritt 1.
Reicht ein ETF-Sparplan zur Schließung der Lücke?
In vielen Fällen ja. Bei 200 bis 300 Euro pro Monat über 30 Jahre und 5 Prozent Bruttorendite kommt ein ETF-Sparplan auf 150.000 bis 230.000 Euro, das deckt eine mittlere Lücke meist ab. Bei größerer Lücke brauchst du mehrere Bausteine. Vergleich der beiden Hauptwege in ETF-Sparplan oder ETF-Police für die Rente.
Was ist die 4-Prozent-Regel?
Eine US-Studie (Trinity Study) zeigt: Wer 4 Prozent seines Anfangsvermögens jährlich (inflationsbereinigt) entnimmt, hat bei Aktienanteil 50 bis 70 Prozent eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Geld 30 Jahre reicht. Konservativ: 3 Prozent pro Jahr für 35 Jahre und mehr. Mehr im Spoke ETF-Entnahmeplan: Schritt für Schritt.
Wie wirken sich die Krankenkassenbeiträge auf die Rente aus?
Bei pflichtversicherten Rentnern (KVdR): rund 7,3 Prozent KV plus Pflegeversicherung 3,4 Prozent auf die Rente. Bei freiwillig Versicherten: gesamter Beitrag rund 18 Prozent, auch auf bAV und private Renten. Das ist ein erheblicher Faktor in der Auszahlphase.
Wann sollte ich mit der Rentenplanung anfangen?
Idealerweise mit 25, spätestens mit 35. Je früher, desto stärker wirkt der Zinseszins. Bei späterem Start ab 45 braucht es höhere Sparraten und gezieltere Steueroptimierung, um die Lücke noch zu schließen.
Lohnt eine Immobilie als Baustein gegen die Rentenlücke?
Eine selbstgenutzte Immobilie mit getilgtem Kredit reduziert den Bedarf um den Mietäquivalenz-Wert, oft 600 bis 1.200 Euro pro Monat. Eine vermietete Immobilie kann zur Einkommensquelle werden, ist aber operativ aufwendiger. Wer beides plant, sollte die Tilgungsdauer realistisch im Blick haben.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und kein Honorarberater-Auftrag, sondern Orientierung.
Fazit
Die Rentenlücke zu berechnen ist in drei Schritten erledigt: Bedarf schätzen, gesetzliche Nettorente ermitteln, Differenz ausrechnen. Wer das einmal durchgerechnet hat, weiß, worauf er hinarbeitet, und kann beurteilen, ob bestehende Verträge die Lücke schließen oder ob Handlungsbedarf besteht. Eine Zahl auf dem Papier ist der beste Ausgangspunkt für jede weitere Entscheidung. Die Detail-Beiträge zeigen, wie du die einzelnen Bausteine sauber einsetzt, von gesetzlicher Rente und bAV über Riester und Rürup bis zu BU und Lebenslagen.
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Quellen und weiterführende Informationen
Vertiefende, offiziell geprüfte Informationen zu den im Beitrag genannten Punkten, kuratiert für Rentenplanung & Lücke schließen:
- Deutsche Rentenversicherung – Rentenarten und Leistungen
- BMAS – Rente und Altersvorsorge
- Verbraucherzentrale – Altersvorsorge
- Deutsche Rentenversicherung – Beratung & Kontakt
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