
Die meisten wissen, dass die gesetzliche Rente allein nicht reichen wird. Wenige wissen, wie groß die Lücke tatsächlich ist. Dabei ist das Grundprinzip einfach: Du stellst deinem voraussichtlichen Bedarf im Alter gegenüber, was du aus der Rentenversicherung bekommst. Die Differenz ist deine Rentenlücke. Wer diese Zahl kennt, kann konkret planen, statt zu hoffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bedarf schätzen: Als Ausgangspunkt gelten 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens als grober Richtwert. Deine echten Ausgaben im Alter können abweichen.
- Rentenanspruch prüfen: Deine voraussichtliche gesetzliche Rente steht in der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Online abrufbar unter rentenbescheid.de.
- Lücke = Bedarf minus Rentenanspruch: Was die gesetzliche Rente nicht deckt, muss durch private Vorsorge, bAV oder andere Einnahmen geschlossen werden.
Schritt 1: Wie viel brauchst du im Alter?
Die häufig genannte Faustregel lautet 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Dahinter steckt die Annahme, dass im Ruhestand Kosten für Fahrtweg zur Arbeit, Berufskleidung und Altersvorsorge selbst wegfallen, dafür aber Gesundheitsausgaben steigen können. Ein realistischerer Ansatz ist eine eigene Ausgabenliste: Miete oder laufende Kreditkosten, Lebensmittel, Mobilität, Urlaub, Gesundheit und ein Puffer. Wer das einmal aufschreibt, kommt oft auf einen Betrag, der deutlich von der Faustregel abweicht, nach oben wie nach unten.
Schritt 2: Was bekommst du aus der gesetzlichen Rente?
Die Deutsche Rentenversicherung schickt dir ab 27 Jahren jährlich eine Renteninformation per Post. Darin steht eine Hochrechnung deiner voraussichtlichen Monatsrente, basierend auf deinen bisherigen Einzahlungen und einer angenommenen Weiterarbeit bis 67. Online kannst du dein Rentenkonto unter rentenversicherung.de einsehen und aktualisieren. Wichtig: Die dort genannten Beträge sind Bruttowerte. Nach Krankenversicherungsbeitrag und Einkommensteuer bleibt netto oft 15 bis 20 Prozent weniger übrig. Plane also mit dem Nettobetrag, nicht mit der Hochrechnungszahl aus der Renteninformation.
Du willst deine Altersvorsorge strukturiert und transparent vergleichen?
Kostenloses Erstgespräch sichernSchritt 3: Rentenlücke ausrechnen und einordnen
Die Formel ist schlicht: monatlicher Bedarf minus monatliche Nettorente ergibt deine monatliche Rentenlücke. Beispiel: Du schätzt deinen Bedarf auf 2.000 Euro netto. Die gesetzliche Rente bringt voraussichtlich 1.200 Euro netto. Deine Lücke beträgt 800 Euro pro Monat. Um diese 800 Euro dauerhaft aus Kapital zu entnehmen, brauchst du bei einer konservativen Entnahmerate von vier Prozent rund 240.000 Euro an zusätzlichem Kapital. Diese Zahl zeigt, was du durch bAV, private Rentenversicherung, ETF-Depot oder andere Bausteine aufbauen musst. Hast du bereits Verträge laufen, prüfe deren voraussichtliche Leistung und gleiche sie gegen diese Zielgröße ab.
Zum Thema
- Gesetzliche Rente reicht nicht: bAV und privat sinnvoll
- Riester, Rürup, private Rente: Was du schon hast erkennen
- Wie viel Geld vor ETF und Altersvorsorge wirklich nötig ist
Fazit
Rentenlücke berechnen gelingt in drei Schritten: Bedarf schätzen, gesetzliche Nettorente ermitteln, Differenz ausrechnen. Wer das einmal durchgerechnet hat, weiß, worauf er hinarbeitet, und kann beurteilen, ob bestehende Verträge die Lücke schließen oder ob Handlungsbedarf besteht. Eine Zahl auf dem Papier ist der beste Ausgangspunkt für jede weitere Entscheidung.
Weitere Artikel findest du in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
Die folgenden Links führen zu offiziellen bzw. anerkannten Quellen und zu unserem Beratungsangebot.
- BaFin – Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
- Deutsche Bundesbank – Basiswissen Geldanlage
- Verbraucherzentrale – Geldanlage & Versicherungen
Unser Angebot