
Das Depot ist aufgebaut, der Ruhestand rückt näher: Jetzt stellt sich die Frage, wie du aus einem ETF-Portfolio regelmäßig Geld entnimmst, ohne es zu früh aufzubrauchen. Einen ETF Entnahmeplan aufzusetzen ist keine Raketenwissenschaft, aber es erfordert ein paar konkrete Entscheidungen. Wer die richtigen Parameter kennt, kann das eigenständig planen, ohne sich blind auf Faustformeln zu verlassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Entnahmerate: Die sogenannte sichere Entnahmerate liegt historisch bei etwa 3,5 bis 4 Prozent des Startkapitals pro Jahr. Das bedeutet: Bei einem Depot von 200.000 Euro wären das 7.000 bis 8.000 Euro jährlich.
- Reihenfolgerisiko: Starke Kursverluste in den ersten Jahren der Entnahme können das Depot dauerhaft schwächen, auch wenn die Märkte sich später erholen.
- Puffer: Ein Liquiditätspuffer von ein bis zwei Jahresentnahmen in Tagesgeld oder Festgeld schützt davor, in Abschwungphasen Anteile zu Tiefstkursen verkaufen zu müssen.
Was ist eine sichere Entnahmerate?
Die Vier-Prozent-Regel stammt aus der US-amerikanischen Trinity-Studie und besagt vereinfacht: Wer jährlich vier Prozent seines Startkapitals entnimmt, übersteht historisch betrachtet auch lange Marktphasen, ohne das Depot zu erschöpfen. Für europäische Anleger wird häufig eine etwas konservativere Rate von 3 bis 3,5 Prozent empfohlen, weil die historischen Renditen europäischer Märkte etwas niedriger liegen. Welche Rate für dich passt, hängt von der geplanten Entnahmedauer, dem Depotanteil in Aktien-ETFs und deiner Bereitschaft ab, die Entnahme in schlechten Börsenjahren kurzfristig anzupassen.
Wie gehst du bei der Planung vor?
Starte mit drei Fragen: Wie viel Kapital liegt im Depot? Wie lange soll der Entnahmeplan laufen, und welchen monatlichen Betrag brauchst du zusätzlich zur gesetzlichen Rente oder anderen Einnahmen? Aus diesen drei Zahlen ergibt sich eine Orientierung, ob dein Depot für den geplanten Zeitraum reicht. Nutze dafür einfache Tabellenkalkulationen oder frei verfügbare Entnahme-Rechner. Plane außerdem einen Puffer ein: ein bis zwei Jahresentnahmen in einem Tagesgeldkonto oder kurzlaufendem Festgeld, damit du in schlechten Börsenjahren keine ETF-Anteile zu ungünstigen Kursen verkaufen musst.
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Kostenloses Erstgespräch sichernWas ist das Reihenfolgerisiko und wie gehst du damit um?
Das Reihenfolgerisiko beschreibt das Phänomen, dass ein starker Kurseinbruch in den ersten Jahren der Entnahme dauerhaft mehr Schaden anrichtet als derselbe Einbruch zehn Jahre später. Der Grund: Du verkaufst in Abschwungphasen mehr Anteile für denselben Euro-Betrag, was das Depot überproportional schrumpfen lässt. Gegenmaßnahmen sind der bereits erwähnte Liquiditätspuffer, eine flexible Entnahme, die in schlechten Jahren reduziert wird, und eine moderate Aktienquote, die nicht zu 100 Prozent in schwankungsintensiven Aktien-ETFs liegt. Ein Anteil von 30 bis 40 Prozent in stabilisierenden Anlageformen kann das Risiko bei gleicher Rendite spürbar reduzieren.
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Fazit
Einen ETF Entnahmeplan aufzusetzen gelingt in wenigen Schritten: Startkapital klären, Entnahmerate festlegen, Liquiditätspuffer einplanen und das Reihenfolgerisiko im Blick behalten. Eine sichere Entnahmerate liegt für viele bei 3 bis 3,5 Prozent des Startkapitals pro Jahr. Wer das konservativ plant und flexibel bleibt, gibt seinem Depot die beste Chance, den Ruhestand wirklich zu tragen.
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Quellen und weiterführende Informationen
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- BaFin – Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
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