
Der erste eigene Gehaltszettel und gleich danach kommt die Frage von Eltern, Kollegen oder Versicherungsvertretern: „Was machst du jetzt eigentlich für die Rente?" Die Antwort ist fast nie „eine private Rentenversicherung". Sie ist „in dieser Reihenfolge".
Das Wichtigste in Kürze
- BU-Schutz kommt vor Altersvorsorge. Wer mit 25 keine Berufsunfähigkeitsversicherung hat, riskiert den Worst Case mehr als die Rente.
- Notgroschen erstmal bauen. 3 bis 6 Monatsgehälter auf dem Tagesgeld, dann erst ETF.
- Arbeitgeber-Zuschuss zur bAV abfragen. Verpflichtende 15 Prozent oder mehr sind in vielen Fällen geschenktes Geld.
- ETF-Sparplan ab 25 bis 50 Euro im Monat reicht für den Start. Wichtiger als Höhe ist die Regelmäßigkeit.
- Private Rentenversicherung ist in den ersten Berufsjahren fast nie die Top-Priorität.
Schritt 1: BU-Schutz prüfen, bevor die Rente Thema wird
In meiner Beratungspraxis sehe ich oft den umgekehrten Reflex. Junge Berufstätige fragen mich nach einer privaten Rente, haben aber keinen Schutz gegen Berufsunfähigkeit. Das ist die falsche Reihenfolge. Wer mit 30 berufsunfähig wird und keinen BU-Schutz hat, kassiert von der gesetzlichen Rente eine Erwerbsminderungsrente von typischerweise 600 bis 900 Euro netto. Davon kann niemand leben.
Ein BU-Tarif kostet bei einem 25-jährigen Akademiker je nach Beruf zwischen 35 und 70 Euro im Monat für 1.500 Euro garantierte BU-Rente. Wer früh abschließt, fixiert günstige Beiträge und sichert sich die Gesundheitsprüfung im Alter, wo viele bereits nicht mehr versichert werden würden. Mehr dazu in BU-Tarif solide, woran du es erkennst.
Schritt 2: Notgroschen, bevor du investierst
Bevor ein Euro in einen ETF-Sparplan oder eine Police fließt, sollte das Tagesgeld stehen. Faustregel: 3 Monatsgehälter netto für Singles ohne Kinder, 6 für Familien oder Selbstständige in spe. Ohne Notgroschen wird der ETF-Sparplan im ersten Notfall (Auto kaputt, Umzugskosten, Job-Wechsel mit Lücke) wieder aufgelöst, oft in einer Phase, wo der Markt gerade unten steht. Das ist der teuerste Anfängerfehler. Mehr Detail in Notgroschen vs. ETF, was zuerst? sofern dieser Spoke bereits online ist.
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Kostenloses Erstgespräch sichernSchritt 3: Arbeitgeber abfragen, ob bAV bezuschusst wird
Seit 2022 sind Arbeitgeber verpflichtet, mindestens 15 Prozent auf eine bAV-Entgeltumwandlung zu zahlen. In vielen Tarifverträgen oder bei großen Arbeitgebern sind es 20, 30 oder sogar 50 Prozent. Das ist freies Geld, das viele Berufseinsteiger liegen lassen, weil sie die Frage nie gestellt haben.
Faustregel: Wer 100 Euro pro Monat in eine bAV einzahlt, hat netto-Brutto-Belastung von rund 50 bis 65 Euro durch die Steuer- und Sozialabgaben-Ersparnis. Mit 15 Prozent Arbeitgeber-Zuschuss landen plus 15 Euro im Vertrag, gesamt also 115 Euro Beitrag bei rund 55 Euro Netto-Belastung. Das ist eine Verdopplung. Mehr in Betriebliche Altersvorsorge, lohnt der Arbeitgeber-Tarif?.
Cenk-Methodik: Die 30-50-20-Regel im ersten Berufsjahr
Wer keine Lust auf detaillierte Aufstellung hat, kann mit dieser groben Verteilung starten:
| Anteil vom freien Sparbudget | Wofür | Konkret |
|---|---|---|
| 30 Prozent | Notgroschen-Aufbau | Tagesgeld bis 3 Monatsgehälter erreicht |
| 50 Prozent | bAV oder ETF-Sparplan | je nachdem, was der Arbeitgeber mit Zuschuss anbietet |
| 20 Prozent | BU-Beitrag oder Risikoabsicherung | Beitrag je nach Beruf |
Sobald der Notgroschen steht, fließen die 30 Prozent vollständig in den ETF-Sparplan oder die bAV.
Praxisbeispiel: Lehrerin, 26 Jahre, erste Anstellung
Annahmen: Bruttogehalt 3.500 Euro, netto rund 2.300 Euro, freier Cashflow nach Miete und Lebenshaltung ungefähr 600 Euro pro Monat.
| Posten | Monatlich | Anmerkung |
|---|---|---|
| Notgroschen Tagesgeld | 180 Euro | bis 7.000 Euro Erreichen, danach umverteilt |
| bAV-Entgeltumwandlung | 100 Euro | mit Arbeitgeberzuschuss 115 Euro im Vertrag |
| ETF-Sparplan MSCI World | 200 Euro | breit gestreut, niedrige Kosten |
| BU-Versicherung | 60 Euro | 1.500 Euro garantierte BU-Rente |
| Puffer | 60 Euro | bewusst nicht verplant |
Nach 18 Monaten ist der Notgroschen voll. Die 180 Euro fließen dann zusätzlich in den ETF-Sparplan oder eine ETF-Police im Honorartarif, je nach Steuersatz.
Stolperfallen für Berufseinsteiger
Drei Themen begegnen mir im Erstgespräch besonders oft:
- Provisionsverträge mit hohen Anfangskosten. Wer mit 22 einen klassischen Riester-Tarif unterschreibt, zahlt die Abschlusskosten in den ersten 5 Jahren. Bei einem Job-Wechsel oder einer Krise kostet das oft Tausende Euro. Lieber ETF-Sparplan, der jederzeit pausierbar ist.
- Riester ohne Kinder ist selten der beste Weg. Die Zulagen-Logik wirkt vor allem bei Familien. Wer kinderlos ist und mittleres Einkommen hat, fährt mit ETF im Depot oder bAV besser.
- „Die Rente ist eh weg". Stimmt nicht. Die gesetzliche Rente liefert auch für die Cohort 1995 bis 2005 noch eine Sockel-Rente. Mehr in Dataset, Rentenniveau Cohort 1980 bis 1990 (Cohort 1990 plus wird ähnlich verlaufen).
FAQ
Wie viel sollte ich als Berufseinsteiger pro Monat sparen?
Faustregel: 10 bis 15 Prozent vom Brutto, sobald der Notgroschen steht. Bei 3.500 Euro brutto sind das 350 bis 525 Euro. Wer weniger schafft, fängt mit weniger an und erhöht mit jedem Gehaltsschritt.
Lohnt sich Riester für Berufseinsteiger?
Selten, außer du planst innerhalb der nächsten 5 Jahre Kinder. Die Kinderzulagen sind der eigentliche Hebel. Ohne Kinder und mit mittlerem Einkommen ist ein ETF-Sparplan flexibler und meist günstiger.
bAV oder ETF, was hat Vorrang?
Mit Arbeitgeber-Zuschuss meistens bAV. Ohne Zuschuss meistens ETF wegen Flexibilität. Wer einen Jobwechsel innerhalb der nächsten 3 Jahre erwartet, sollte bAV vorsichtig dosieren, weil Wechsel kompliziert sein können. Mehr in bAV beim Jobwechsel.
Was kostet ein BU-Schutz für einen 25-Jährigen?
Akademisch tätige Berufe (Lehrer, Ingenieur, Software-Entwickler): 35 bis 60 Euro im Monat für 1.500 Euro garantierte BU-Rente. Handwerkliche Berufe deutlich höher, oft 80 bis 150 Euro. Tarifname, Klauseln und Verzichtserklärungen entscheiden über den Preis.
Wann lohnt eine ETF-Police im Honorartarif?
Ab einer Sparrate über 200 Euro und einer Laufzeit über 20 Jahren. Die steuerliche Wirkung des Halbeinkünfteverfahrens schlägt dann in Verbindung mit niedrigen Effektivkosten den ETF-Sparplan im Depot leicht. Bei kürzerer Laufzeit ist das Depot fast immer besser.
Fazit
Die ersten zwei Berufsjahre entscheiden über die Vorsorge-Architektur der nächsten 30 Jahre. Wer in dieser Phase BU-Schutz, Notgroschen und bAV-Zuschuss vor private Rentenversicherung setzt, hat die wichtigste Reihenfolge eingehalten. Alle anderen Vorsorge-Bausteine bauen darauf auf. Die größten Renditen kommen nicht aus Auswahl der besten Produkte, sondern aus dem Vermeiden der ersten Fehler.
Zum Thema
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Mehr im Themenfeld Lebensphase
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Quellen und weiterführende Informationen
Vertiefende, offiziell geprüfte Informationen zu den im Beitrag genannten Punkten, kuratiert für Vorsorge nach Lebensphase:
- BaFin – Berufsunfähigkeitsversicherung
- Deutsche Rentenversicherung – Rentenarten und Leistungen
- BMAS – Rente und Altersvorsorge
- Verbraucherzentrale – Altersvorsorge
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