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Familie und Altersvorsorge: Wie sich die Prioritäten verschieben

Mit Kindern verschiebt sich die Reihenfolge der Vorsorge-Bausteine. Risikoabsicherung der Eltern wird wichtiger als jede Rente, gleichzeitig öffnet sich der Riester-Hebel.

Beratungsgespräch mit jungen Eltern zur Vorsorge nach der Geburt

Vor dem ersten Kind heißt die wichtigste Frage „Wie viel kann ich monatlich sparen?". Nach dem ersten Kind heißt sie „Was passiert mit meiner Familie, wenn mir etwas zustößt?". Die Vorsorge-Architektur ändert sich an dieser Stelle deutlicher als die meisten erwarten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Risikolebensversicherung für den Hauptverdiener steht vor jeder Rente. Ohne sie steht die ganze Familie ohne Einkommen da.
  • Notgroschen wächst von 3 auf 6 Monatsausgaben. Mit Kind kommen ungeplante Kosten in anderer Höhe.
  • Riester wird durch Kinderzulagen plötzlich attraktiv. Bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr verändern die Rechnung.
  • Junior-Depot oder Tagesgeld für die Kinder ist kein Vorsorge-Ersatz, sondern ein eigener Baustein.
  • bAV und ETF-Sparplan laufen weiter, aber die Sparrate für die eigene Rente kann temporär sinken.

Schritt 1: Risikolebensversicherung absichern

In meiner Beratungspraxis sehe ich oft junge Familien mit gutem ETF-Depot, aber ohne Risikolebensversicherung. Das ist die teuerste Lücke der ersten Familienjahre. Stirbt der Hauptverdiener mit 35 Jahren und einem 2-jährigen Kind, fehlen typischerweise rund 20 Jahre Einkommen plus Ausbildungskosten. Eine Risiko-LV für 50 Euro im Monat sichert in dieser Konstellation 250.000 Euro Versicherungssumme ab. Das deckt 10 bis 15 Jahre Familieneinkommen.

Wichtig: nicht zu verwechseln mit der Kapital-Lebensversicherung. Risiko-LV zahlt nur im Todesfall, kostet entsprechend wenig. Klassische Kapital-LV ist heute fast nie sinnvoll.

Schritt 2: Notgroschen verdoppeln

Vor Kindern: 3 Monatsgehälter netto auf dem Tagesgeld. Nach Kindern: 6 Monatsausgaben (Achtung, Ausgaben sind bei Familien oft höher als Gehälter, weil Konsum gestiegen ist). Faustregel: Wenn deine Familie 3.500 Euro pro Monat ausgibt, sollten 21.000 Euro auf dem Tagesgeld liegen, bevor weitere ETF-Käufe sinnvoll werden.

Begründung: Mit Kind multiplizieren sich die unvorhergesehenen Kosten. Krankheit, Reparatur der Heizung im Familienhaus, unbezahlte Elternzeit, Wechsel zur Teilzeit. Wer in solchen Phasen den ETF-Sparplan auflöst, realisiert oft Verluste, weil Krisen meist mit Marktdips zusammenfallen.

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Schritt 3: Riester neu bewerten

Für Berufseinsteiger ohne Kinder ist Riester selten der beste Weg. Mit Kindern dreht sich das Bild. Pro Kind unter 25 Jahre gibt es 300 Euro Zulage pro Jahr (für Geburtsjahrgänge ab 2008). Bei 2 Kindern sind das 600 Euro Zulage plus 175 Euro Grundzulage, gesamt 775 Euro Zulagen jährlich. Bei vollem Förderbeitrag von 2.100 Euro pro Jahr (inklusive Zulagen) zahlt eine Familie effektiv nur rund 1.325 Euro eigenen Beitrag, alles andere kommt vom Staat.

Faustregel: Mit 2 oder mehr Kindern und Bruttoeinkommen unter 60.000 Euro im Jahr lohnt Riester fast immer. Mit nur einem Kind oder höherem Einkommen je nach Tarif und Kostenstruktur. Mehr in Riester, Rürup, private Rente: Was du schon hast erkennen.

Cenk-Methodik: Die Familien-Vorsorge-Pyramide

StufeBausteinKonkret bei Familie mit 2 Kindern
1 (Pflicht)Risiko-LV Hauptverdiener50 bis 80 Euro pro Monat
2 (Pflicht)BU-Schutz beider Eltern60 bis 100 Euro pro Person
3 (Solide)Notgroschen 6 Monatebis 6 Monatsausgaben
4 (Aufbau)bAV mit Arbeitgeber-Zuschuss100 Euro Entgeltumwandlung
5 (Aufbau)Riester mit voller Zulage175 Euro pro Monat
6 (Optional)ETF-Sparplan100 bis 200 Euro pro Monat
7 (Optional)Junior-Depot für Kinder25 bis 75 Euro pro Monat pro Kind

Wichtig: Die Stufen 1 bis 3 sollten stehen, bevor 4 bis 7 ausgebaut werden. Wer mit Kind und 200 Euro Sparrate ins Junior-Depot geht, aber keine Risiko-LV hat, hat die falsche Reihenfolge.

Praxisbeispiel: Familie 32 und 30, 2 Kinder, 4.500 Euro Netto

Annahmen: Vater Vollzeit-Angestellter, Mutter Teilzeit nach Elternzeit, 2 Kinder unter 6 Jahre, Haushaltsnetto 4.500 Euro pro Monat, freie Sparrate rund 500 Euro.

PostenMonatlichKommentar
Risiko-LV Vater (250.000 Euro Schutz, 30 Jahre Laufzeit)45 EuroBeitrag stabil über Laufzeit
BU Vater75 Euro1.800 Euro garantierte BU-Rente
BU Mutter55 Euro1.200 Euro garantierte BU-Rente
Notgroschen-Aufbau bis 27.000 Euro150 Eurobis Ziel erreicht, dann umverteilt
Riester mit voller Kinderzulage92 Euro Eigenbeitrag175 Euro Zulagen kommen dazu
ETF-Sparplan Familienvorsorge50 Eurobreit gestreut, langfristig
Junior-Depot beide Kinder zusammen30 Euro15 Euro pro Kind

Gesamt rund 497 Euro pro Monat, alles abgedeckt. Wenn die Sparrate höher ausfällt, wandert mehr in den ETF-Sparplan oder eine Sondertilgung Hauskredit.

Stolperfallen mit Kindern

Drei Themen, die Familien oft falsch einschätzen:

  1. Ausbildungsversicherung als „Geschenk an die Kinder" lohnt selten. Bei langer Laufzeit ist ein Junior-Depot mit ETF günstiger und flexibler.
  2. Eltern verzichten zugunsten der Kinder auf eigene Rente. Wer mit 65 verarmt ist, hilft den erwachsenen Kindern auch nicht. Eigene Rente vor Kinder-Sparen.
  3. Riester-Sofortabschluss „weil Zulagen". Eine schlechte Riester-Police kostet mehr Effektivkosten als die Zulagen einbringen. Tarif sauber wählen, Honorartarif prüfen.

FAQ

Was passiert mit der Riester-Förderung bei Trennung der Eltern?

Die Zulagen sind an die Kinder gekoppelt, nicht an die Ehe. Bei Trennung läuft die Zulage weiter, sofern Kindergeld bezogen wird. Der Riester-Vertrag selbst gehört dem Vertragsinhaber, eine Übertragung auf den anderen Partner ist nicht möglich.

Lohnt ein Junior-Depot oder Sparbuch für die Kinder?

Über 15 Jahre Laufzeit bringt ein breit gestreuter ETF historisch deutlich mehr als ein Tagesgeld oder Sparbuch. Ein Junior-Depot über die Eltern als Verwalter ist meist die einfachste Lösung. Mit 18 geht das Depot ans Kind.

Wie hoch sollte die Risiko-LV sein?

Faustregel: 5- bis 7-faches Jahresnetto des Hauptverdieners, mindestens jedoch das, was Hypotheken-Restschuld plus 10 Jahre Familieneinkommen wären. Bei 50.000 Euro Familiennetto wären das 250.000 bis 350.000 Euro Versicherungssumme.

Ab wann ergibt eine BU-Versicherung für die Mutter Sinn?

Bei Teilzeit oder Wiedereinstieg sofort. Der Familienverlust bei Berufsunfähigkeit der Mutter ist nicht nur das Teilzeit-Gehalt, sondern auch die unbezahlte Care-Arbeit, die plötzlich extern eingekauft werden müsste. BU-Schutz für die Mutter ist oft günstiger als für den Vater, weil Akademikerinnen und Bürotätige eine niedrige Beitragsklasse haben.

Fazit

Mit Kindern verschiebt sich die Vorsorge-Logik weg vom reinen Vermögensaufbau hin zur Absicherung. Die Reihenfolge ist Risiko-LV, BU, Notgroschen, dann erst Riester und ETF. Wer diese Reihenfolge einhält, hat die wichtigste Strukturentscheidung der ersten Familienjahre richtig getroffen. Optimierung im Detail kommt danach.

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