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BU und Altersvorsorge kombinieren: Leitfaden mit Reihenfolge und Budget

Erst absichern, dann ansparen oder beides gleichzeitig? Sieben Schritte, wie du BU-Schutz und Altersvorsorge sinnvoll aufteilst, mit Budget-Faustregeln und Rechenbeispiel.

Beratungsgespräch zu BU-Schutz und Altersvorsorge am Tisch

Die meisten kommen mit einer Entweder-oder-Frage ins Erstgespräch: BU-Versicherung oder lieber gleich in die Altersvorsorge sparen? Beide kosten Geld, das Budget ist begrenzt. Die ehrliche Antwort ist selten ein klares Entweder-oder, sondern eine Reihenfolge und eine saubere Aufteilung. Dieser Leitfaden zeigt in sieben Schritten, wie du beides zusammenbringst, ohne dich finanziell zu übernehmen.

Inhalt

  1. Reihenfolge klären: warum BU zuerst kommt
  2. Budget realistisch aufteilen
  3. Kombi-Vertrag oder Trennung entscheiden
  4. BU-Rentenhöhe richtig bemessen
  5. Altersvorsorge-Baustein passend wählen
  6. Steuerliche Einordnung verstehen
  7. Dynamik und Nachversicherung mitdenken

Schritt 1: Reihenfolge klären

Wer mit 30 berufsunfähig wird und nicht abgesichert ist, verliert nicht nur ein paar Sparraten, sondern die Fähigkeit, überhaupt Vermögen aufzubauen. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente liegt für die meisten zwischen 600 und 900 Euro netto und greift erst, wenn du fast gar nicht mehr arbeiten kannst. Davon lässt sich weder leben noch eine Altersvorsorge bedienen.

Deshalb gilt in meiner Beratungspraxis eine klare Reihenfolge: erst das Einkommen absichern, dann das Alter. Ein ETF-Depot von 20.000 Euro hilft wenig, wenn mit 40 das Gehalt wegbricht und 25 Jahre Erwerbsleben fehlen. Die BU schützt genau die Quelle, aus der die Altersvorsorge überhaupt erst gespeist wird.

Faustregel: Solange kein BU-Schutz steht, fließt die erste Sparrate in die Absicherung, nicht in den Vermögensaufbau. Mehr zur Tarifqualität in BU-Tarif solide, woran du es erkennst.

Schritt 2: Budget realistisch aufteilen

Sobald die Reihenfolge klar ist, kommt die Aufteilung. Hier hilft eine grobe Orientierung am freien Sparbudget, also dem, was nach Miete, Lebenshaltung und Notgroschen-Aufbau übrig bleibt.

Freies Budget pro MonatBU-BeitragAltersvorsorgeHinweis
150 Euro60 bis 80 EuroRestBU hat Vorrang, AV startet klein
300 Euro60 bis 90 Euro210 bis 240 Eurogesunde Aufteilung
500 Euro70 bis 110 Euro390 bis 430 EuroSpielraum für ETF plus Police

Die BU sollte selten mehr als ein Drittel des freien Budgets fressen. Wird sie teurer, ist meist die Rentenhöhe zu hoch angesetzt oder der Beruf in einer ungünstigen Risikoklasse. Dann lieber die BU-Rente etwas niedriger ansetzen und mit einer Nachversicherungsgarantie arbeiten, statt die Altersvorsorge komplett auf null zu fahren.

Faustregel: BU-Beitrag maximal ein Drittel des freien Budgets, der Rest in den Vermögensaufbau.

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Schritt 3: Kombi-Vertrag oder Trennung entscheiden

Jetzt die zentrale Strukturfrage. BU und Altersvorsorge lassen sich in einem Vertrag bündeln oder strikt trennen. Beides hat Berechtigung, aber die Trennung ist in den meisten Fällen die sauberere Lösung.

Variante A: Getrennte Verträge

Eine reine BU-Versicherung (selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz SBU) plus ein separater Altersvorsorge-Baustein, etwa ein ETF-Sparplan oder eine ETF-Police. Vorteil: Du kannst jeden Baustein einzeln anpassen, kündigen oder umschichten, ohne den anderen zu gefährden.

Variante B: Kombi-Police

BU als Zusatzbaustein in einer Renten- oder Lebensversicherung (BUZ, Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung). Vorteil: ein Vertrag, manchmal etwas günstigerer Einstieg. Nachteil: Kündigst du die Altersvorsorge, fällt oft auch der BU-Schutz weg. Und gerade den willst du über Jahrzehnte stabil halten.

KriteriumGetrennt (SBU plus ETF)Kombi (BUZ in Police)
Flexibilitäthochniedrig
BU bleibt bei AV-Kündigungjaoft nein
Kostentransparenzhochgemischt
Verwaltungsaufwandzwei Verträgeein Vertrag
EignungRegelfallSonderfälle

In meiner Beratungspraxis empfehle ich die Trennung als Standard. Die Kombi-Police kann sinnvoll sein, wenn die Gesundheitsprüfung in der Kombi günstiger ausfällt oder wenn jemand bewusst nur einen Vertrag verwalten will. Mehr zur Absicherung ohne erneute Prüfung in BU-Nachversicherung ohne Gesundheitsprüfung.

Schritt 4: BU-Rentenhöhe richtig bemessen

Die häufigste Stellschraube für den Beitrag ist die Höhe der monatlichen BU-Rente. Zu niedrig angesetzt, reicht sie im Ernstfall nicht. Zu hoch, frisst der Beitrag die Altersvorsorge auf.

Faustregel: 60 bis 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens als BU-Rente. Wer 2.500 Euro netto verdient, sollte 1.500 bis 2.000 Euro BU-Rente absichern. Wichtig ist die garantierte Rente, nicht die mit Überschüssen hochgerechnete.

Ein Punkt, den viele übersehen: Die BU-Rente sollte einen Teil enthalten, der weiter in die Altersvorsorge fließen kann. Wer berufsunfähig wird, hört ja nicht auf, älter zu werden. Die gesetzliche Rente wächst während der Berufsunfähigkeit kaum weiter, also muss die private Vorsorge aus der BU-Rente mitbedient werden. Das ist ein Argument, die Rente eher am oberen Ende anzusetzen.

Rechenbeispiel: Angestellte, 30 Jahre, 2.600 Euro netto, 320 Euro freies Budget

Annahmen: Bürotätigkeit in günstiger Risikoklasse, gesund, freie Sparrate 320 Euro pro Monat nach Notgroschen-Aufbau.

BausteinMonatlichKommentar
SBU, 1.800 Euro garantierte BU-Rente75 Eurorund 29 Prozent des Budgets
ETF-Sparplan, breit gestreut195 EuroSchicht 3, flexibel
Puffer für Dynamik und Anpassung50 Eurobewusst nicht fest verplant

Über 35 Jahre Laufzeit bis zur Rente ergibt der ETF-Anteil bei 5 Prozent Renditeannahme vor Kosten grob 215.000 bis 230.000 Euro Endkapital. Der BU-Schutz kostet über die Jahre rund 31.500 Euro Beitrag, sichert aber im Ernstfall ein Vielfaches ab: 1.800 Euro Rente über zum Beispiel 20 Jahre wären 432.000 Euro Leistung. Die Aufteilung opfert also rund ein Viertel der Sparrate für eine Absicherung, die den gesamten Vermögensaufbau erst möglich macht.

Schritt 5: Altersvorsorge-Baustein passend wählen

Steht der BU-Schutz, geht es an die Wahl des Vorsorge-Bausteins. Hier entscheidet vor allem die Laufzeit und der Steuersatz.

  • ETF-Sparplan im Depot: maximal flexibel, jederzeit pausierbar, gut für alle, die Wert auf Zugriff legen. Abgeltungsteuer plus Sparerpauschbetrag in der Auszahlphase.
  • ETF-Police im Honorartarif: ab langer Laufzeit und mittlerem bis hohem Steuersatz oft im Vorteil, weil das Halbeinkünfteverfahren ab dem 62. Lebensjahr greift. Mehr dazu in Versicherungsmantel, Halbeinkünfte und Entnahme.
  • bAV mit Arbeitgeber-Zuschuss: wenn der Arbeitgeber spürbar zuzahlt, oft der erste Baustein nach der BU.

Faustregel: unter 15 Jahren Laufzeit meist Depot, über 20 Jahre und ab mittlerem Steuersatz lohnt der Police-Vergleich. Wer noch ganz am Anfang steht, findet die Grundreihenfolge in Berufseinsteiger und Altersvorsorge, die ersten drei Schritte.

Schritt 6: Steuerliche Einordnung verstehen

Bei der Kombination von BU und Altersvorsorge spielt die Steuer auf zwei Ebenen mit: beim Beitrag und bei der späteren Leistung.

Eine selbstständige BU ist als Vorsorgeaufwand begrenzt absetzbar, in der Praxis meist mit geringer Wirkung, weil die Höchstbeträge oft schon durch Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft sind. Die BU-Rente im Leistungsfall wird nur mit dem Ertragsanteil besteuert, was sie netto attraktiv macht.

Anders sieht es aus, wenn die BU an eine Basisrente (Rürup) gekoppelt ist. Dann sind die Beiträge besser absetzbar, aber die spätere BU-Rente wird höher besteuert, und die Flexibilität sinkt deutlich. Für die meisten Angestellten ist die selbstständige BU plus separate Schicht-3-Vorsorge die einfachere und transparentere Lösung. Die Schichtlogik dahinter erklärt Drei Schichten der Altersvorsorge, häufige Fragen.

Schritt 7: Dynamik und Nachversicherung mitdenken

Ein Vertrag, der heute passt, passt in zehn Jahren vielleicht nicht mehr. Zwei Mechanismen halten die Kombination lebendig.

Die Beitragsdynamik erhöht Beitrag und Leistung jährlich um einen festen Prozentsatz, oft 3 bis 5 Prozent. Das gleicht Inflation aus, ohne dass du aktiv werden musst. Bei der BU sorgt sie dafür, dass die Rente mit dem Einkommen mitwächst. Bei der Altersvorsorge erhöht sie die Sparrate automatisch.

Die Nachversicherungsgarantie erlaubt, die BU-Rente bei Lebensereignissen ohne neue Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Heirat, Geburt, Gehaltssprung, Hauskauf. Wer mit 28 startet, sichert sich so die Option, später aufzustocken, auch wenn dann Vorerkrankungen vorliegen. Die Details stehen in BU-Glossar: Leistungsprüfung, Rückwirkung, Nachversicherung.

Faustregel: BU mit Dynamik und Nachversicherungsgarantie abschließen, Altersvorsorge mit abschaltbarer Dynamik, damit du in knappen Jahren flexibel bleibst.

Stolperfallen bei der Kombination

Drei Fehler sehe ich immer wieder:

  1. Altersvorsorge vor BU. Wer mit vollem ETF-Sparplan startet, aber ohne BU, hat die Reihenfolge verdreht und das größte Risiko offen gelassen.
  2. BU-Rente zu niedrig, um den Beitrag zu drücken. Eine 800-Euro-BU-Rente fühlt sich günstig an, reicht im Ernstfall aber nicht.
  3. Alles in eine Kombi-Police. Wer Vorsorge und BU verheiratet, riskiert, im Fall einer AV-Kündigung auch den BU-Schutz zu verlieren.

Zusammenfassung als Tabelle

SchrittWas passiertPflicht-Output
1Reihenfolge klärenBU vor AV festschreiben
2Budget aufteilenBU maximal ein Drittel
3Struktur wählengetrennt oder Kombi entscheiden
4BU-Rente bemessen60 bis 80 Prozent Netto
5AV-Baustein wählenDepot oder Police festlegen
6Steuer einordnenBeitrag und Leistung prüfen
7Dynamik einplanenNachversicherung sichern

Zum Thema

Dieser Leitfaden ersetzt kein Beratungsgespräch, sondern bereitet dich darauf vor.

Quellen und weiterführende Informationen

Vertiefende, offiziell geprüfte Informationen zu den im Beitrag genannten Punkten, kuratiert für Vorsorge nach Lebensphase:

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