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Gut verdienend und Vorsorge richtig strukturieren: Leitfaden

Mit hohem Einkommen kommen andere Vorsorge-Hebel: Steueroptimierung, bAV maximal, ETF-Police und Immobilie. Sieben Schritte zur sauberen Struktur, ohne sich zu verzetteln.

Beratung zur Vorsorgestruktur für gut verdienende Mandanten am Schreibtisch

Wer über 80.000 Euro brutto im Jahr verdient, steht bei der Vorsorge vor einer anderen Frage als Berufseinsteiger. Nicht „wie spare ich überhaupt", sondern „wie strukturiere ich die Mittel so, dass Steuer-, Diversifikations- und Auszahlungs-Logik zusammenpassen". Dieser Leitfaden ordnet die sieben Schritte, mit denen die Struktur unter Steuerlast und Lebensereignissen stabil bleibt.

Inhalt

  1. Steuersatz und Hebel identifizieren
  2. bAV maximal ausschöpfen
  3. Rürup als Schicht-1-Booster prüfen
  4. ETF-Police im Honorartarif aufbauen
  5. ETF-Sparplan parallel im Depot
  6. Immobilie als Diversifikations-Baustein
  7. Risikoabsicherung passend zur Vermögenslage

Schritt 1: Steuersatz und Hebel identifizieren

„Gut verdienend" ist nicht eine fixe Schwelle, sondern ein Steuersatz-Konzept. Der entscheidende Punkt: bist du im Bereich, in dem der Grenzsteuersatz über 42 Prozent liegt? Das ist die wichtigste Vorsorge-Steuerschwelle.

Jahresbrutto (Single, Lohnsteuerklasse 1)GrenzsteuersatzVorsorge-Implikation
bis 67.000 Eurobis 42 ProzentStandard-Vorsorge, ETF plus bAV
67.000 bis 285.000 Euro42 ProzentSpitzensteuersatz, Rürup-Hebel stark, ETF-Police interessant
über 285.000 Euro45 Prozent (Reichensteuer)Maximierung aller absetzbaren Vorsorge-Bausteine

Bei Doppelverdienern verschieben sich die Schwellen, weil Splittingtarif greift. Faustregel: pro Person das Einkommen einzeln betrachten, dann zusammenrechnen.

Der Grenzsteuersatz heute ist der wichtigste Hebel, weil jeder absetzbare Vorsorge-Euro netto deutlich mehr wert ist als bei niedrigerem Einkommen. Ein 100-Euro-Rürup-Beitrag spart 42 Euro Steuern, ein 100-Euro-ETF-Beitrag spart nichts.

Schritt 2: bAV maximal ausschöpfen

Bei Angestellten ist die bAV der erste Hebel, weil der Arbeitgeber gesetzlich mindestens 15 Prozent zuzahlen muss. Gerade bei großen Arbeitgebern oder Tarifverträgen liegt der Zuschuss oft bei 20, 30 oder mehr Prozent.

Die steuerliche Höchstgrenze 2026:

  • bis 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) lohnsteuerfrei
  • bis 4 Prozent der BBG zusätzlich sozialversicherungsfrei

Bei BBG 7.700 Euro Monatsbrutto sind das maximal 615 Euro bAV-Beitrag pro Monat, davon 308 Euro voll steuer- und SV-frei. Wer das ausschöpfen kann, holt sich pro Monat rund 200 bis 250 Euro Netto-Effekt.

Faustregel: Bei einem Bruttoeinkommen über 90.000 Euro ist das volle bAV-Limit fast immer der richtige Startpunkt. Mehr in Betriebliche Altersvorsorge: Arbeitgeber, Kosten, Steuern.

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Schritt 3: Rürup als Schicht-1-Booster prüfen

Bei gut verdienenden Angestellten lohnt Rürup zusätzlich zur bAV, wenn der Spitzensteuersatz heute deutlich über dem in Rente liegt. Bei Selbständigen ist Rürup oft die einzige Schicht-1-Option.

Beiträge bis 27.566 Euro pro Jahr (2026) sind als Sonderausgaben absetzbar. Beispiel: 10.000 Euro Rürup-Beitrag spart bei Spitzensteuersatz rund 4.200 Euro Steuern. Über 25 Jahre Laufzeit summiert sich die Steuerersparnis auf rund 100.000 Euro, plus die Vermögensbildung selbst.

BruttoeinkommenEmpfohlener Rürup-JahresbeitragSteuerersparnis pro Jahr (42 Prozent)
80.000 Euro5.000 Euro2.100 Euro
120.000 Euro10.000 Euro4.200 Euro
200.000 Euro18.000 Euro7.500 Euro
300.000 Euro25.000 Euro11.000 Euro

Wichtig: Rürup ist nicht kündbar und nicht beleihbar. Wer hohe Beiträge einplant, sollte sich der langen Bindung bewusst sein. Mehr in Riester, Rürup, private Vorsorge im Vergleich 2026.

Schritt 4: ETF-Police im Honorartarif

Sobald Schicht 1 und 2 voll ausgeschöpft sind, kommt Schicht 3. Bei Spitzenverdienern lohnt sich häufig die ETF-Police im Honorartarif (Nettotarif) gegenüber dem reinen Depot, weil das Halbeinkünfteverfahren in der Auszahlphase greift.

Voraussetzungen für Halbeinkünfteverfahren:

  • Vertragslaufzeit mindestens 12 Jahre
  • Vertragsinhaber zum Auszahlungszeitpunkt mindestens 62 Jahre alt
  • Kapitalauszahlung (Einmalbetrag) statt Verrentung

Bei einer 100.000-Euro-Auszahlung mit 60.000 Euro Ertrag wird nur die Hälfte (30.000 Euro) versteuert. Bei 30 Prozent Steuersatz in Rente sind das 9.000 Euro statt 18.000 Euro im Depot mit Abgeltungsteuer. Über 25 Jahre macht der Halbeinkünfte-Effekt rund 10 bis 15 Prozent mehr Netto-Endkapital aus.

Mehr in Steuer-Glossar: Halbeinkünfteverfahren und Ertragsanteil und Nettotarif: Was ist das und wann lohnt er sich?.

Rechenbeispiel: 38 Jahre, 130.000 Euro Brutto, Single

Annahmen: Spitzensteuersatz, Arbeitgeber zahlt 20 Prozent zur bAV zu, freie Sparrate nach Lebenshaltung rund 2.000 Euro pro Monat.

BausteinMonatlichJährlichSteuerwirkung
bAV-Entgeltumwandlung maximum615 Euro7.380 Eurorund 3.700 Euro Steuer plus SV gespart
Rürup mit Honorartarif600 Euro7.200 Eurorund 3.000 Euro Steuer gespart
ETF-Police Honorartarif400 Euro4.800 EuroHalbeinkünfte ab 62
ETF-Sparplan im Depot300 Euro3.600 Euroflexibel, voll versteuert
BU-Versicherung (3.500 Euro Rente)95 Euro1.140 Eurobegrenzt absetzbar

Gesamt rund 2.010 Euro pro Monat brutto, davon rund 6.700 Euro Steuer- und SV-Vorteil pro Jahr. Über 25 Jahre Laufzeit entsteht ein Vorsorgevermögen von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro inklusive der Steuerersparnis.

Schritt 5: ETF-Sparplan parallel im Depot

Trotz Police lohnt sich ein paralleler ETF-Sparplan im Depot. Vier Gründe.

Erstens: Flexibilität. Wer kurzfristig Geld für Hauskauf, Kinder oder Unternehmung braucht, greift nicht auf die Police zu (Wert sinkt durch Stornoabzug). Das Depot bleibt jederzeit verfügbar.

Zweitens: Sparerpauschbetrag nutzen. 1.000 Euro Kapitalerträge pro Person sind jährlich steuerfrei. Bei Doppelverdienern 2.000 Euro. Über 25 Jahre summieren sich das auf 25.000 bis 50.000 Euro steuerfreie Erträge.

Drittens: Diversifikation der Steuerregime. Wer alles in eine Police steckt, hängt komplett am Halbeinkünfteverfahren. Das Depot hat andere Steuerlogik (Abgeltungsteuer plus Vorabpauschale, mehr in Steuer-Glossar Quellensteuer, Thesaurierung, Vorabpauschale).

Viertens: Mental-Diversifikation. Drei verschiedene Töpfe (Depot, Police, bAV) führen seltener zu Panikverkäufen als ein großer Topf.

Schritt 6: Immobilie als Diversifikation

Bei Spitzenverdienern kommt früher oder später die Immobilien-Frage auf. Zwei Varianten.

Selbstgenutzte Immobilie

Kein Kapitalmarkt-Risiko, dafür Klumpenrisiko durch Standort und Wertschwankungen. Spart in der Rente kalkulatorische Miete. Vorteil: psychologisch wertvoll, weil emotional gebunden. Nachteil: bindet Liquidität.

Faustregel: maximal so viel Immobilie, dass die Monatsrate inkl. Rücklage 35 Prozent des Netto-Einkommens nicht übersteigt.

Renditeimmobilie

Eigene Anlageklasse mit Mieteinnahmen und Wertentwicklung. Steuerlich attraktiv durch Abschreibung. Erfordert aber aktives Management oder Verwaltung durch Externe. Bei Spitzensteuersatz sind die Mieteinnahmen voll versteuert, was den Cashflow-Effekt reduziert.

Faustregel: Renditeimmobilien nur, wenn aktives Management gewünscht ist. Bei „nur Geldanlage" ist ein ETF-Sparplan auf Immobilien-ETF (Reit-ETF) oft die bessere Lösung.

Schritt 7: Risikoabsicherung

Mit hohem Einkommen wächst das Schadens-Volumen bei Berufsunfähigkeit oder Tod. Die Risikoabsicherung muss mitwachsen.

RisikoEmpfohlene HöheKosten typisch
Berufsunfähigkeit70 bis 80 Prozent Netto-Gehalt90 bis 200 Euro/Monat
Risikolebensversicherung (bei Familie)5- bis 7-faches Jahresnetto25 bis 60 Euro/Monat
Haftpflicht50 Millionen Euro Deckung60 bis 120 Euro/Jahr
Krankentagegeld (bei Selbständigen)100 bis 70 Prozent Netto-Tagessatz40 bis 90 Euro/Monat

Bei Selbständigen ist BU plus Krankentagegeld Pflicht-Pflicht-Programm. Bei Angestellten reicht oft BU plus Risiko-LV. Mehr in BU und Altersvorsorge kombinieren: Leitfaden.

Stolperfallen bei hoher Einkommens-Vorsorge

Drei Punkte, die ich in der Beratungspraxis oft sehe.

  1. „Ich verdiene gut, die Rente wird schon reichen." Stimmt selten. Spitzenverdiener haben prozentual oft niedrigere Renten relativ zum letzten Einkommen, weil die GRV bei der BBG gedeckelt ist. Lücke ist meist 50 bis 70 Prozent des letzten Brutto.
  2. Alles in eine einzige Police. Steuerklumpen, Anbieterklumpen, Auszahlungs-Klumpen. Mindestens 3 verschiedene Töpfe sind sinnvoll.
  3. Risikoabsicherung im Wachstum vergessen. Wer mit 30 eine 1.500-Euro-BU abschließt und mit 50 noch immer dieselbe Rente hat, ist unterversichert. Nachversicherungsgarantie nutzen.

Zusammenfassung als Tabelle

SchrittWas passiertPflicht-Output
1Steuersatz feststellenGrenzsteuersatz dokumentieren
2bAV ausschöpfenvolles Limit prüfen, mit AG verhandeln
3Rürup einrichtenBeitragshöhe gegen Steuerersparnis rechnen
4ETF-Police im HonorartarifMindestens 15 Jahre Laufzeit einplanen
5ETF-Sparplan parallelSparerpauschbetrag nutzen
6Immobilie einordnenSelbstnutzung oder Renditeimmobilie entscheiden
7Risikoabsicherung anpassenBU mit Nachversicherungsgarantie

Zum Thema

Dieser Leitfaden zeigt eine typische Vorgehensweise für gut verdienende Mandanten. Konkrete Beitragshöhen, Tarifempfehlungen und steuerliche Effekte hängen von der individuellen Lage ab.

Quellen und weiterführende Informationen

Vertiefende, offiziell geprüfte Informationen zu den im Beitrag genannten Punkten, kuratiert für Vorsorge nach Lebensphase:

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