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Bestandsversicherer: Tarifgenerationen im Vergleich

Vier Generationen von Renten- und Lebensversicherungen mit unterschiedlichen Garantiezinsen, Effektivkosten und Auszahloptionen kompakt nebeneinandergestellt.

Tarifunterlagen mehrerer Bestandsversicherer auf dem Schreibtisch

Wer eine Renten- oder Lebensversicherung aus den letzten 30 Jahren besitzt, sitzt auf einem von vier Tarif-Generationen mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Vor jedem Optimierungs- oder Wechselgespräch lohnt sich der Blick auf die Generation, denn sie entscheidet über den Wert des Vertrags. Hier der direkte Vergleich.

Methodik des Vergleichs

Die vier Generationen werden anhand von vier Werten verglichen: garantierter Rechnungszins, typische Effektivkostenquote, steuerlicher Bestandsschutz und Auszahloptionen. Die Werte beziehen sich auf den Mittelfeld-Standard. Konkrete Verträge können davon abweichen.

Wichtig: Der Vergleich beleuchtet nur klassische und fondsgebundene Renten- und Lebensversicherungen, keine Rürup oder Riester. Die haben eigene Steuer- und Förderlogik.

Großer Vergleich auf einen Blick

GenerationAbschluss-ZeitraumGarantiezinsEffektivkosten typischSteuerlicher Bestandsschutz
Gen 1: Hochzinsphase1995 bis 20004,00 Prozent1,4 bis 1,8 Prozentvolle Steuerfreiheit nach 12 Jahren
Gen 2: Wendezeit2001 bis 20043,25 Prozent1,6 bis 2,0 Prozentvolle Steuerfreiheit nach 12 Jahren
Gen 3: AlteinkG-Reform2005 bis 20161,75 bis 2,25 Prozent1,8 bis 2,4 ProzentHalbeinkünfteverfahren ab 62
Gen 4: Niedrigzinsphase2017 bis 20210,9 bis 1,25 Prozent2,0 bis 2,5 ProzentHalbeinkünfteverfahren ab 62
Gen 5: Aktuelle Gen2022 bis 20260,25 Prozent oder ohne1,5 bis 2,3 ProzentHalbeinkünfteverfahren ab 62

Faustregel: Verträge aus Gen 1 und Gen 2 sind oft mehr wert, als die Standmitteilung suggeriert. Verträge ab Gen 4 sind die häufigsten Kandidaten für Optimierung oder Wechsel.

Gen 1: Hochzinsphase (1995 bis 2000)

Diese Verträge laufen mit garantierten 4 Prozent Rechnungszins. Das ist heute nicht mehr zu bekommen. Plus: volle Steuerfreiheit nach 12 Jahren Laufzeit. Die Verträge sind in den meisten Fällen Gold wert, auch wenn die Effektivkosten höher sind als bei modernen Nettotarifen.

Vorgehen: Niemals voreilig kündigen. Wer wechseln will, sollte die Renditeerwartung der Alternative gegen die Kombination aus 4 Prozent Garantie und Steuerfreiheit rechnen. In den meisten Fällen lohnt sich Behalten oder höchstens beitragsfrei stellen.

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Gen 2: Wendezeit (2001 bis 2004)

Ähnlich attraktiv wie Gen 1 wegen 3,25 Prozent Garantiezins und steuerlicher Bestandsschutz. Effektivkosten oft etwas höher, aber meist trotzdem wertvoller als ein Neuabschluss.

Vorgehen: Vor Wechsel die Renditeerwartung des Alternativvertrags abzüglich Wechselkosten gegen den garantierten 3,25 Prozent plus Steuerfreiheit setzen. Optimierung im Bestand (Fondswechsel, Dynamik abschalten) ist meist die bessere Lösung.

Gen 3: AlteinkG-Reform (2005 bis 2016)

Ab 2005 fiel die volle Steuerfreiheit weg. Stattdessen greift das Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalauszahlung nach 12 Jahren und ab dem 62. Lebensjahr. Garantiezins bei 1,75 bis 2,25 Prozent ist immer noch über aktuellen Konditionen, aber nicht so wertvoll wie Gen 1. Mehr in Steuer-Glossar: Halbeinkünfteverfahren und Ertragsanteil.

Vorgehen: Hier wird der Vergleich interessant. Effektivkosten und Renditeerwartung des Bestandsvertrags gegen die Alternative im Honorartarif rechnen. In etwa 40 Prozent der Fälle lohnt der Wechsel, in 60 Prozent eher Optimierung im Bestand.

Gen 4: Niedrigzinsphase (2017 bis 2021)

Garantiezins unter 1,5 Prozent ist nicht mehr besonders wertvoll. Effektivkosten oft hoch (2 bis 2,5 Prozent), weil die niedrigen Garantien durch teurere Fondskosten kompensiert wurden. Das ergibt den ungünstigsten Mix der vier Generationen.

Vorgehen: In den meisten Fällen lohnt sich der Wechsel oder zumindest aggressive Optimierung. Fondswechsel innerhalb des Mantels auf günstige ETF-Fonds kann die Effektivkosten um 0,5 bis 1 Prozent senken. Bei Restlaufzeit über 20 Jahren ist der Wechsel auf einen Nettotarif oft die wirtschaftlich beste Lösung. Mehr im Wechsel-Leitfaden Schritt für Schritt.

Gen 5: Aktuelle Generation (2022 bis 2026)

Garantien sind weitgehend abgeschmolzen, viele Tarife arbeiten nur noch mit Beitragsgarantie (60 bis 100 Prozent der Beiträge) statt mit Rechnungszins. Effektivkosten sind bei guten Tarifen wieder gesunken, im Nettotarif oft unter 1,5 Prozent.

Vorgehen: Hier ist die Tarifqualität entscheidend. Wer in einem Provisionstarif ist, kann oft im Nettotarif gleicher Gesellschaft deutlich günstiger fahren. Mehr in Nettotarif: Was ist das und wann lohnt er sich?.

Rechenbeispiel: 200 Euro Beitrag, 15 Jahre Restlaufzeit

Annahmen: 200 Euro pro Monat, aktuelles Guthaben 30.000 Euro, Marktrendite 5 Prozent Annahme vor Kosten. Steuerwirkung in der Auszahlphase nicht berücksichtigt.

GenerationEffektivkostenEndkapital nach 15 Jahren
Gen 1 (4 Prozent Garantie)1,5 Prozentrund 86.000 Euro (Garantie wirkt stark)
Gen 2 (3,25 Prozent Garantie)1,8 Prozentrund 79.000 Euro
Gen 3 (2 Prozent Garantie)2,1 Prozentrund 73.000 Euro
Gen 4 (1 Prozent Garantie)2,3 Prozentrund 67.000 Euro
Wechsel auf Nettotarif Gen 51,3 Prozentrund 82.000 Euro

Wer einen Gen-4-Vertrag hat, kann durch Wechsel auf einen modernen Nettotarif rund 15.000 Euro Endkapital gewinnen. Wer einen Gen-1- oder Gen-2-Vertrag hat, würde durch Wechsel verlieren, weil die Garantien wegfallen.

Welche Generation hast du?

Du erkennst deine Generation an drei Datenpunkten in der Standmitteilung oder im Versicherungsschein:

  • Abschlussdatum: Jahr und Monat
  • Garantierter Rechnungszins: Pflichtangabe seit 2022
  • Tarifname mit Generationen-Bezeichnung: oft mit „Classic", „Strategy", „Invest" oder „Plus" markiert

Im Zweifel beim Versicherer eine aktuelle Standmitteilung anfordern. Sie ist Pflichtleistung und kostet nichts. Mehr in Altersvorsorgevertrag prüfen, der 4-Schritte-Ablauf.

Auswahlraster pro Generation

Wenn du einen Vertrag aus dieser Generation hastEmpfehlung
Gen 1 (1995 bis 2000)Behalten oder beitragsfrei stellen, niemals voreilig kündigen
Gen 2 (2001 bis 2004)Optimieren im Bestand, Wechsel nur in Sonderfällen
Gen 3 (2005 bis 2016)Fondswechsel-Optimierung prüfen, Wechsel rechnerisch entscheiden
Gen 4 (2017 bis 2021)Wechsel oder aggressive Optimierung, oft beides möglich
Gen 5 (2022 bis 2026)Tarifqualität prüfen, Nettotarif gleicher Gesellschaft vergleichen

Zum Thema

Dieser Vergleich ersetzt keine individuelle Bewertung deines Vertrags. Konkrete Konditionen stehen in deinen Unterlagen und können von den hier genannten Mittelwerten abweichen.

Quellen und weiterführende Informationen

Vertiefende, offiziell geprüfte Informationen zu den im Beitrag genannten Punkten, kuratiert für Wechsel & Bestand optimieren:

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