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Wechsel Altersvorsorge: Leitfaden Schritt für Schritt

Wann lohnt der Wechsel von einer Altersvorsorge-Police zu ETF? Sieben Schritte vom Bestandscheck bis zur Entscheidung, mit Rechenbeispielen und Stolperfallen.

Altersvorsorge-Wechsel von Police zu ETF, Schritt-für-Schritt-Anleitung

Ein Wechsel von der bestehenden Altersvorsorge zu ETF kann ein fünfstelliger Hebel sein oder ein teurer Schnellschuss. Welche Variante daraus wird, entscheidet sich an den sieben Schritten in diesem Leitfaden. Wer einen davon überspringt, wechselt aus dem Bauch, nicht aus den Zahlen.

Inhalt

  1. Bestandsaufnahme aller Verträge
  2. Effektivkosten und Garantie identifizieren
  3. Drei Szenarien rechnen
  4. Steuerwirkung prüfen
  5. Garantie und Renditeerwartung trennen
  6. Wechselkosten gegen Optimierungspotenzial stellen
  7. Entscheiden, schriftlich, mit Bedenkzeit

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Bevor irgendwer auf einen Vertrag schaut, brauchst du eine vollständige Liste aller laufenden Altersvorsorge-Verträge. Nicht aus dem Gedächtnis, sondern aus den Unterlagen. Renteninformation der DRV, alle privaten Policen, bAV-Bescheinigungen, ETF-Depot-Auszüge.

Pro Vertrag drei Werte notieren: Beitrag pro Monat, Restlaufzeit, aktuelles Guthaben. Wer das nicht selbst sortiert bekommt, sammelt eine Stunde am Wochenende und schickt die Vertragsnummern an die Versicherer, die eine aktuelle Standmitteilung schicken sollen.

Faustregel: Ohne diese vier Dokumentenarten beginnt kein sinnvoller Wechsel.

Schritt 2: Effektivkosten und Garantie identifizieren

Die wichtigste Zahl ist die Effektivkosten-Quote (Reduction in Yield). Sie zeigt, wie viel Rendite Vertrag und Vertrieb dir pro Jahr wegnehmen. Pflichtangabe seit 2022 in jeder Standmitteilung.

Zugleich notierst du den garantierten Rechnungszins. Werte aus den 2000er Jahren liegen oft bei 3,25 oder 4,00 Prozent, neue Verträge ab 2022 bei 0,25 Prozent.

Effektivkosten pro JahrGarantiezinsEmpfehlung
unter 1,0 Prozentegalmeist behalten oder optimieren
1,0 bis 1,5 Prozentüber 2 Prozentoptimieren, nicht wechseln
1,5 bis 2,5 Prozentunter 1 ProzentWechsel prüfen
über 2,5 Prozentunter 1 ProzentWechsel oft sinnvoll

Mehr zu den Effektivkosten in TER und Effektivkosten, die zwei Kostenkennzahlen.

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Schritt 3: Drei Szenarien rechnen

Die saubere Wechsel-Entscheidung verlangt drei identisch gerechnete Szenarien. Sparrate gleich, Restlaufzeit gleich, Renditeannahme gleich. Sonst vergleichst du Ananas mit Steckrübe.

Szenario A: Vertrag unverändert behalten

Was passiert, wenn du nichts machst? Welche Ablaufleistung steht in der Hochrechnung des Versicherers im mittleren Szenario? Notiere brutto und nach Effektivkosten netto.

Szenario B: Bestand optimieren

Welche Stellschrauben gibt es ohne Wechsel? Häufig: Fondswechsel innerhalb des Mantels (oft kostenlos), Dynamik abschalten, Zusatzbausteine prüfen, Beitragsfreistellung mit parallelem ETF-Sparplan. Diese Optionen rechnen sich oft besser als der Komplettwechsel.

Szenario C: Realistische Alternative

Wechsel auf ETF-Police im Honorartarif oder ETF-Depot plus separate Risikoabsicherung. Hier zählen die echten Kosten der neuen Lösung, nicht die Marketing-Versprechen.

Rechenbeispiel: Vertrag aus 2010, 200 Euro Sparrate, 15 Jahre Restlaufzeit

Annahmen: aktuelles Guthaben 32.000 Euro, Effektivkosten 2,1 Prozent, Garantiezins 2,25 Prozent. Marktrendite-Annahme 5 Prozent vor Kosten.

SzenarioEndkapital nach 15 JahrenHinweis
A behaltenrund 92.000 Eurohohe Kosten zehren, Garantie wirkt
B Fondswechsel auf günstigeren Fonds im Mantelrund 105.000 EuroEffektivkosten sinken auf rund 1,4 Prozent
C ETF-Police im Honorartarif (Wechsel)rund 117.000 Eurominus Wechselkosten, Garantie weg

Die Differenz zwischen A und C ist 25.000 Euro über 15 Jahre. Aber B holt schon 13.000 Euro ohne Wechselrisiko. Die echte Frage ist nicht „behalten oder wechseln", sondern „optimieren oder wechseln".

Schritt 4: Steuerwirkung prüfen

In der Auszahlphase greifen unterschiedliche Steuerregeln. Bei einem Versicherungsmantel mit Vertragsbeginn vor 2005 ist die Auszahlung nach 12 Jahren Laufzeit oft komplett steuerfrei. Nach 2005 greift bei Kapitalauszahlung das Halbeinkünfteverfahren, wenn der Vertragsinhaber das 62. Lebensjahr erreicht hat. Bei einem ETF-Depot fällt Abgeltungsteuer plus Vorabpauschale an, mit Sparerpauschbetrag.

Diese Unterschiede können die Wechsel-Rechnung kippen. Mehr in Versicherungsmantel, Halbeinkünfte und Entnahme.

Schritt 5: Garantie und Renditeerwartung trennen

Alte Verträge mit Garantiezinsen über 2 Prozent sind Reichtum. Heute gibt es so etwas nicht mehr. Wer wechselt, gibt diese Sicherheit auf gegen eine reine Renditeerwartung. Das ist nicht automatisch falsch, weil die laufenden Kosten alter Tarife oft hoch sind. Aber es muss in der Rechnung sichtbar sein, nicht nur das ETF-Wachstum.

Faustregel: Garantiezins über 3 Prozent fast nie aufgeben. 2 bis 3 Prozent Garantiezins nur bei sehr hohen Effektivkosten wechseln. Unter 1 Prozent Garantie offen für Wechsel-Optionen.

Schritt 6: Wechselkosten gegen Optimierungspotenzial stellen

Wechseln kostet. Sechs typische Posten:

  1. Stornoabzug der alten Police
  2. Neue Abschlusskosten beim Folgevertrag
  3. Mögliche Steuerbelastung bei vorzeitiger Auflösung
  4. Verlust laufender Garantiezinsen aus alten Tarifen
  5. Beratungskosten oder Honorar
  6. Zeitlicher Aufwand für Antrag und Gesundheitsprüfung

Erst wenn die Differenz aus Schritt 3 nach Abzug dieser Posten substantiell bleibt, lohnt der Wechsel. Sonst ist Optimierung der bessere Weg. Mehr im Beitrag Altersvorsorge nach Jahren: Bestand zuerst optimieren.

Schritt 7: Entscheiden, schriftlich, mit Bedenkzeit

Zwei Wochen Abstand sind Pflicht. Wer Druck spürt, hat keinen Vergleich, sondern einen Verkauf vor sich. Schriftlich entscheiden heißt: Beratungsprotokoll abzeichnen, Begründung notieren, Entscheidung mit Datum versehen.

Wenn dein Berater dich drängt, ist das ein Warnsignal. Mehr zur Sicherung im Beitrag Beratungsprotokoll Altersvorsorge, Angebote richtig sichern.

Stolperfallen bei jedem der drei Wege

Wer kündigt, verliert oft Riester-Förderung und mögliche Steuerfreiheit. Wer optimiert, übersieht manchmal versteckte Dynamik-Klauseln, die den Effekt auffressen. Wer wechselt, ohne Steuerwirkung zu rechnen, kann am Ende mit einer schlechteren Auszahlung herauskommen, obwohl die Kostenquote besser aussieht.

Zusammenfassung als Tabelle

SchrittWas passiertPflicht-Output
1Bestand sortierenvier Dokumentenarten je Vertrag
2Effektivkosten und Garantie ablesenzwei Zahlen pro Vertrag
3Drei Szenarien rechnendrei Endkapital-Werte
4Steuer prüfenNetto-Vergleich pro Szenario
5Garantie einordnenSicherheits-Bedarf bewerten
6Wechselkosten gegenrechnenBreak-Even in Jahren
7Entscheidenschriftliche Begründung

Zum Thema

Dieser Leitfaden ersetzt kein Beratungsgespräch, sondern bereitet dich darauf vor.

Quellen und weiterführende Informationen

Vertiefende, offiziell geprüfte Informationen zu den im Beitrag genannten Punkten, kuratiert für Wechsel & Bestand optimieren:

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