
Stellen wir uns einen typischen Fall vor. Du sitzt mit einer alten Riester-Police am Tisch, dazu eine fondsgebundene Rente und vielleicht eine bAV. Ist das gut, ist das teuer, hilft ein Wechsel? Diese Anleitung fuehrt dich in sieben Schritten durch die Antwort. Sie funktioniert für Privatrente, Riester, Rürup, fondsgebundene Tarife und bAV. Wer am Ende feststellt, dass der Bestand passt, hat trotzdem etwas gewonnen, naemlich begründung.
Inhalt
- Bestand sortieren und Daten anfordern
- Effektivkosten und Reduktion der Wertentwicklung lesen
- Drei Szenarien rechnen
- Steuerwirkung pruefen
- Garantie und Renditeerwartung trennen
- Wechselkosten gegen Optimierungspotenzial stellen
- Entscheiden, schriftlich, mit Bedenkzeit
Schritt 1, Bestand sortieren und Daten anfordern
Bevor irgendwer auf einen Vertrag schaut, brauchst du den Datensatz. Das sind vier Dokumente. Police, letzte Standmitteilung, Produktinformationsblatt, Kostenausweis nach VVG-InfoV. Was fehlt, holst du dir schriftlich beim Versicherer. Antwortzeit bei den meisten Anbietern liegt bei zehn Werktagen.
Faustregel: ohne diese vier Dokumente kein Termin mit einem Berater. Sonst diskutiert ihr Annahmen statt Fakten.
Schritt 2, Effektivkosten und Reduktion der Wertentwicklung lesen
Die wichtigste Zahl heißt Effektivkosten-Quote, oft als "Reduction in Yield" bezeichnet. Sie sagt, wie viel jährliche Rendite Vertrag und Vertrieb dir wegnehmen. Eine einzige Prozentzahl, dafuer aber die ehrlichste.
| Spanne | Einordnung |
|---|---|
| unter 1,0 Prozent | sehr guenstig, etwa Honorartarif oder Nettotarif |
| 1,0 bis 1,5 Prozent | guenstig, gute fondsgebundene Tarife |
| 1,5 bis 2,0 Prozent | durchschnittlich, klassische Provisionspolicen |
| 2,0 bis 2,5 Prozent | hoch, Pruefung empfohlen |
| über 2,5 Prozent | sehr hoch, oft Wechsel- oder Optimierungsfall |
Mehr zu den einzelnen Kostenarten findest du in Alpha, Beta, Gamma-Kosten in der Altersvorsorge.
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Kostenloses Erstgespräch sichernSchritt 3, Drei Szenarien rechnen
Drei Varianten gegeneinander. A heißt Vertrag behalten. B bedeutet optimieren, also Fondswechsel, Dynamik aus, Bausteine pruefen. C steht für eine realistische Alternative wie ETF-Police im Honorartarif oder ETF-Depot plus separate Risikoabsicherung.
Wichtig sind identische Annahmen für alle drei Wege. Sparrate gleich. Restlaufzeit gleich. Renditeannahme gleich, etwa 5 Prozent vor Kosten.
Ein Beispiel bei 200 Euro Sparrate und 25 Jahren Restlaufzeit:
| Szenario | Effektivkosten | Endkapital nach 25 Jahren |
|---|---|---|
| A behalten, alt | 2,2 Prozent | rund 92.000 Euro |
| B optimiert, gleicher Mantel | 1,4 Prozent | rund 105.000 Euro |
| C ETF-Police Honorartarif | 0,7 Prozent | rund 117.000 Euro |
Diese Beispielzahlen sind Näherungen. Sie helfen, das Verhaeltnis zu sehen, nicht eine Punktprognose abzuliefern.
Schritt 4, Steuerwirkung pruefen
Bei Versicherungsmaenteln greift in der Auszahlphase oft das Halbeinkuenfteverfahren oder der Ertragsanteil. Ein ETF-Depot wird mit Vorabpauschale und Teilfreistellung besteuert. Welche Variante netto besser läuft, haengt von Einkommen, Auszahlzeitpunkt und Anlagedauer ab. Die Vertiefung steht in Versicherungsmantel, Halbeinkuenfte und Entnahme.
Schritt 5, Garantie und Renditeerwartung trennen
Ein klassischer Tarif liefert Garantie und kostet dafuer Rendite. Eine fondsgebundene Police schwankt staerker, hat dafuer mehr Aufwaerts-Spielraum. Wer Garantie braucht, weil der Renteneintritt nahe rueckt, gibt sie nicht aus der Hand. Wer 25 Jahre Zeit hat, faehrt typischerweise ohne Garantie besser. Mehr in Altersvorsorge im Versicherungsmantel, lohnt es sich.
Schritt 6, Wechselkosten gegen Optimierungspotenzial stellen
Wechseln kostet. Sechs typische Posten gehoeren in die Rechnung:
- Stornoabzug der alten Police
- neue Abschlusskosten beim Folgevertrag
- mögliche Steuerbelastung bei vorzeitiger Aufloesung
- Verlust laufender Garantiezinsen aus alten Tarifen
- Beratungskosten oder Honorar
- Zeitlicher Aufwand für Antrag und Gesundheitspruefung
Erst wenn Schritt 3 zeigt, dass die Differenz über 25 Jahre wirklich substantiell ist, lohnt der Wechsel. Mehr dazu in Altersvorsorge auf ETF wechseln, ab wann lohnt es sich.
Schritt 7, Entscheiden, schriftlich, mit Bedenkzeit
Zwei Wochen Abstand sind Pflicht. Wer Druck spuert, hat kein Vergleichsergebnis vor sich, sondern einen Verkauf. Schriftlich entscheiden heißt Beratungsprotokoll abzeichnen, begründung notieren und Entscheidung mit Datum versehen. Mehr dazu in Beratungsprotokoll Altersvorsorge, Angebote richtig sichern.
Zusammenfassung als Tabelle
| Schritt | Was passiert | Pflicht-Output |
|---|---|---|
| 1 | Daten sammeln | Police, Standmitteilung, Kostenausweis |
| 2 | Effektivkosten lesen | eine Zahl, Quoten-Einordnung |
| 3 | Szenarien rechnen | drei Endkapitalwerte |
| 4 | Steuer pruefen | Netto-Vergleich |
| 5 | Garantie trennen | Sicherheits-Bedarf einordnen |
| 6 | Wechselkosten gegenrechnen | Break-Even in Jahren |
| 7 | Entscheiden | schriftliche begründung |
Zum Thema
- Altersvorsorgevertrag pruefen, der 4-Schritte-Ablauf
- Altersvorsorge Kosten pruefen in drei Stufen
- Altersvorsorge Kosten Benchmarks und Vergleichsrahmen
- Wechsel von Altersvorsorge auf ETF, ab wann lohnt es sich
Dieser Leitfaden ersetzt kein Beratungsgespraech, sondern bereitet dich darauf vor.
Quellen und weiterführende Informationen
Vertiefende, offiziell geprüfte Informationen zu den im Beitrag genannten Punkten, kuratiert für Altersvorsorge prüfen & vergleichen:
- BaFin – Kosten kapitalbildender Lebensversicherungen
- Verbraucherzentrale – Altersvorsorge
- BaFin – Anlageberatung: Was Sie beachten sollten
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