
Jeder dritte deutsche Lebensversicherungsvertrag läuft bei der Allianz. Auf meinem Beratungstisch landen entsprechend oft die typischen drei Police-Varianten: private Rentenversicherung, bAV-Direktversicherung, fondsgebundener Tarif mit Garantie. Die Logo-Größe entscheidet allerdings nichts. Was wirklich zählt, sind fünf Werte tief in deinen Unterlagen.
Das Wichtigste in Kürze
- Tarifname zuerst lesen. PerlePremium, IndexSelect, KomfortDynamik und Direkteinstieg verhalten sich völlig unterschiedlich.
- Effektivkosten als Leitzahl. Werte aus den letzten Standmitteilungen vergleichen.
- IndexSelect besser nicht mit reinem Aktienfonds verwechseln. Cap und Floor begrenzen die Rendite.
- Rentenfaktor in alten Tarifen oft höher als heute neu. Wechsel kostet diese Garantie.
- bAV-Direktversicherungen über den Arbeitgeber haben eigene Spielregeln.
Schritt 1: Tarifname identifizieren
Im Versicherungsschein steht oben der Produktname. Bei der Allianz tauchen häufig diese Begriffe auf:
- PerlePremium und PerlePrivat: klassische Rentenversicherung mit Garantieverzinsung. Sicherheit hoch, Renditechance moderat.
- IndexSelect: indexgebundene Rentenversicherung. Renditeentwicklung hängt am Index (oft Euro Stoxx 50), aber nur innerhalb von Cap- und Floor-Grenzen.
- InvestFlex, PrivateRente Komfort, KomfortDynamik: fondsgebundene Tarife mit oder ohne Beitragsgarantie. Renditechance hoch, Kosten variabel.
- DirektStart, Direkteinstieg: bAV-Tarife über den Arbeitgeber. Eigene Steuer- und Sozialabgaben-Logik.
Welche Variante du hast, entscheidet über Kostenstruktur, Auszahlmodi und Wechselsinn.
Schritt 2: Effektivkosten lesen
In der jährlichen Standmitteilung weist die Allianz die Effektivkosten aus. Bei IndexSelect-Verträgen liegen die Werte typischerweise höher, weil die Indexkonstruktion teurer ist als ein direkter Fonds. PerlePremium kommt günstiger weg, weil weniger Optionen drinstecken.
| Effektivkosten pro Jahr | Einordnung |
|---|---|
| unter 1,0 Prozent | sehr günstig, Honorartarif oder Nettotarif |
| 1,0 bis 1,5 Prozent | günstig, gute fondsgebundene Generation |
| 1,5 bis 2,0 Prozent | durchschnittlich, klassische Provision |
| 2,0 bis 2,5 Prozent | hoch, Detailprüfung empfohlen |
| über 2,5 Prozent | sehr hoch, Wechsel- oder Optimierungsfall |
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Kostenloses Erstgespräch sichernSchritt 3: IndexSelect verstehen
„Ist das wie ein ETF im Versicherungsmantel?" Diese Frage höre ich zu IndexSelect am häufigsten. Antwort: nein. Der Tarif partizipiert an einem Index, jedoch mit zwei Begrenzungen. Der Cap kappt monatliche Gewinne nach oben (z. B. bei 4 Prozent), der Floor schützt vor Verlusten nach unten (oft bei 0 Prozent). Festgelegt wird der Cap jährlich neu. In Boomphasen liegt die echte Rendite oft deutlich unter dem Indexwert. Ein direkter ETF-Sparplan oder eine ETF-Police mit echter Fondsanlage liefern dort höhere Erträge.
Praxis: Wer mit IndexSelect glücklich ist, sollte den Vergleich gegen ETF-Sparplan im Honorartarif rechnen lassen. Die Differenz ist je nach Tarifgeneration zweistellig im Prozent-Endkapital.
Schritt 4: Rentenfaktor
In Allianz-Verträgen aus den 2000er Jahren liegt der Rentenfaktor häufig bei 28 bis 33 Euro pro 10.000 Euro Vertragsguthaben. Heute neu abgeschlossene Tarife bewegen sich zwischen 18 und 24 Euro. Wer wechselt, gibt diese alte Garantie auf. Ein neuer Honorartarif holt das durch geringere Kosten teilweise auf, je nach Restlaufzeit.
Schritt 5: bAV oder privat?
Bei bAV über den Arbeitgeber gelten andere Regeln. Beiträge werden vor Steuern und Sozialabgaben gezahlt, die Auszahlung später nachgelagert besteuert. Sozialabgaben in der Auszahlphase sind ein Stolperstein, der oft erst spät auffällt. Mehr im Beitrag Betriebliche Altersvorsorge: Lohnt der Arbeitgeber-Tarif?.
Praxisbeispiel: PerlePremium aus 2010
Annahmen: Vertragsbeginn 2010, klassisch mit Garantiezins 2,25 Prozent, Beitrag 200 Euro pro Monat, Restlaufzeit 12 Jahre, aktuelles Guthaben rund 32.000 Euro, Effektivkosten 1,8 Prozent.
| Szenario | Endkapital nach 12 Jahren | Hinweis |
|---|---|---|
| Behalten unverändert | rund 73.000 Euro | Garantieverzinsung weiter |
| Beitragsfreistellung plus paralleler ETF-Sparplan 200 Euro | rund 80.000 Euro | Nutzt Bestand und ETF kombiniert |
| Komplettwechsel auf ETF-Police im Honorartarif | rund 78.000 Euro | Garantiezins weg, aber niedrige Kosten |
Annahme Marktrendite 5 Prozent vor Kosten. Die Spannweite bleibt innerhalb von 7.000 Euro. Wechsel ist hier kein Selbstläufer, weil der alte Garantiezins werthaltig ist.
FAQ
Sind Allianz-Verträge automatisch teuer?
Nein. Tarifgeneration und Tarifname entscheiden. PerlePremium aus 2008 hat oft niedrigere laufende Kosten als IndexSelect aus 2018. Effektivkosten aus der Standmitteilung lesen, nicht raten.
Lohnt sich IndexSelect?
Selten gegen einen ETF-Sparplan im Honorartarif, oft besser als eine teure Provisionspolice ohne Fondsauswahl. Vergleich mit identischer Marktrendite und Kostenannahme rechnen.
Wer kann meinen Allianz-Vertrag bewerten?
Eine ungebundene Beratung im Honorartarif. Allianz selbst bewertet immer aus der eigenen Perspektive. Mehr im Beitrag Beratungsprotokoll Altersvorsorge, Angebote richtig sichern.
Welche Unterlagen brauche ich?
Versicherungsschein, letzte Standmitteilung mit Effektivkosten, Produktinformationsblatt und bei IndexSelect den aktuellen Cap-Wert. Mehr in der Unterlagen-Checkliste fürs Vertragscheck.
Fazit
Tarifname, Effektivkosten, Rentenfaktor und Vertragsart ordnen deine Allianz-Police ein. Die Größe des Anbieters sagt nichts über die Qualität des einzelnen Vertrags. Mit den richtigen Zahlen aus deinen Unterlagen ist die Entscheidung in 30 Minuten klar.
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